Pflanzen, Bauen, ...Spazierengehen?

Eine Woche mit Abenteuern von früh bis spät liegt hinter den FÖJtis. Es gab Einsätze für die Biodiversität, einen feurigen Lehrgang und zum Abschluss ein bisschen Herbstzauber...

Teure Leserschaft,

 

es sind weitere Wochen ohne Blog vergangen. Wir bitten aufrichtig um Verzeihung und können nur versichern: Wir tun unser Bestes, um den Rückstand aufzuholen, doch bis euch erneut aktuelle Wochenberichte erreichen, könnte es noch dauern. Dieser Eintrag handelt von der Woche vor genau einem Monat und wurde auch eigentlich dann geschrieben – durch aktuelle Krankheitsfälle, Feiertage, die vielen darauffolgenden Ereignisse und nicht zuletzt das Seminar (von dem ihr auch bald erfahren werdet!), wird er dennoch erst jetzt veröffentlicht. 

Nun, kommen wir zum eigentlichen Blog. Da Seine Durchlaucht Lorenz ein wenig Urlaub genießen durfte und auch Ihre Hoheit Anna die Stiftung nur an dreien der fünf Arbeitstage dieser Woche mit ihrer Präsenz beschenkte, wurde nun erneut mir, Kira, die Ehre zuteil, einen Eintrag zu verfassen; ein Auftrag, dem ich nur zu gerne nachkomme.

 

Beginnen wir doch gleich mit dem Montag, einem der beiden Solo-Tage. Damit ich den Tag nicht einsam verbringen musste, kontaktierte ich einen ehrenwerten und ebenso einsamen Kollegen: Michael Ott, der am gleich folgenden Dienstag eine Pflanzaktion koordinierte, sollte 56 Kisten, befüllt mit 1400 kleinen Stauden für besagte Aktion, in den Stiftungsanhänger laden. Keine so leichte Aufgabe für einen einzelnen Ritter, mag man denken, und so begleitete ich ihn nach Borgwedel. 

Gemeinsam mit den netten Kolleginnen vor Ort hievten wir die Pflanzen in den Hänger und brachten sie zur Fläche, auf der wir sie am Folgetag auszusetzen planten. Bei Besichtigung des wunderschönen Grünlands an der Schlei fiel uns gleich auf, wie hoch das Gras noch war, was sowohl das Einpflanzen für uns als auch das Überleben für die Stauden erschweren würde – glücklicherweise trafen wir aber noch den Pächter der Fläche, der uns versprach, das Gras bis morgen zu mähen, und uns dafür auch den Anhänger auf seinem Hof abstellen ließ. Mit einem guten Gefühl für den nächsten Tag machten wir uns daraufhin auf den Heimweg…

 

… und am nächsten Morgen wieder auf den Hinweg nach Borgwedel. Kaum dort angekommen, begegnete uns jedoch das erste, große Problem: Wir hatten den Anhänger tags zuvor abgeschlossen, und, ihr könnt es euch denken: den Schlüssel nicht mitgenommen. Unser motiviertes Heldenteam hatte jedoch Glück im Unglück und wir konnten den Hänger zwar wegen des Schlosses nicht bewegen, aber dennoch ausladen - also quetschten wir so viel es ging in unseren Hyundai und fuhren damit zur Pflanzfläche. Mausi, die mit dem zweiten Teil des Teams anreiste, hatte als Ford Ranger selbstverständlich noch mehr Ladefläche und konnte später die übrigen Kisten abholen. Problem gelöst und wir konnten loslegen! 

Die Pflanzaktion gestaltete sich als wahre Teamaufgabe. Michael und Doris Jansen, eine externe Botanikerin, schritten als Kundschafter vorweg und trugen die Verantwortung dafür, die sinnvollsten Habitate für unsere Stauden zu finden. Denn, werte Leserschaft, Wiese ist nicht gleich Wiese, und natürlich hatten wir nicht nur eine Pflanzenart dabei, sondern wollten für echte Biodiversität sorgen. Um für jede Staudenart einen Ort mit passenden Lichtverhältnissen, ausreichend Feuchtigkeit und auch Schutz vor den dort weidenden Rindern zu finden, beurteilten die beiden also zunächst das Gebiet. Das restliche Stiftungsteam jedoch folgte ihnen alsbald: Christian Müller, ausgerüstet mit einem Erdbohrer, erschuf wie aus dem nichts Löcher im Boden, und Jörn Gollisch, Anna und meine Wenigkeit setzten die heimatsuchenden Pflänzchen in die Erde. Lydia Koch half uns ebenfalls dabei, ihre eigentliche, eigene Mission war es jedoch, die bepflanzten Flächen auszumessen und einzutragen, wo wir wie viele Stauden ausgesetzt hatten.

Nach einigen Stunden Teamwork, einer brandgefährlichen Wasserdurchquerung mit Mausi und Begegnungen mit neugierigen, aber ebenso wie wir vorsichtigen Rindern hatten wir es geschafft und konnten (leider ohne Hänger – der musste am Folgetag abgeholt werden…) die Rückkehr antreten. Die letzte Herausforderung des Tages war es, die entleerten Kisten wieder in Mausi unterzubringen. Es war Millimeterarbeit, die so manchen an Tetris erinnert haben könnte, doch auch dies gelang uns selbstverständlich als heldenhaftes Team.

 

Am Mittwoch war ich allein und eigentlich sollte bei der Nachbesserung eines Wildschutzzauns mithelfen, die Hälfte des Teams dafür ist jedoch krankheitsbedingt ausgefallen und so hatte ich stattdessen einen kurzen, entspannten Bürotag. Diesen habe ich für verschiedene kleine Aufgaben genutzt (wie das Schreiben des letzten Blogeintrags…), alles in allem wenig erwähnenswert. 

 

Sprechen wir doch lieber über den Donnerstag! Dieser war ebenso ein Bürotag, es stand jedoch neben Büroarbeit auch Aufregendes an. Acht furchtlose Feuerflüsterer (darunter auch Anna und ich) stellten sich einem Brandschutzhelfer-Lehrgang, um die Stiftung Naturschutz vor Brandgefahr schützen zu können. In einigen sehr unterhaltsamen Stunden haben wir dabei gelernt, welche Brandklassen es gibt, welches Equipment sich für diese eignet und als krönenden Abschluss gab es eine Praxisübung. Mit nur einem Paar Handschuhe und einem Feuerlöscher in der Hand stürzten wir uns nacheinander auf ein Testfeuer. Unsere Feuerlöscher (gefüllt mit Wasser für Feststoff-Brände, Brandklasse A!) löschten sehr erfolgreich selbst den in Brand gesetzten Mülleimer und wir sind uns fast sicher, dass die Stiftung noch nie so brandsicher war wie nach diesem Tag.

 

Ein weiterer Außendienst erwartete Anna und mich am Freitag. Mit einer großen Gruppe sind wir ins Hasenmoor ausgerückt, ein schönes Moor, welches jedoch noch im Zustand der Wiedervernässung ist. Um konstante Wasserstände gewährleisten zu können, werden Staudämme gebraucht, und einige davon sollten wir nun eigenhändig bauen. Der Stau sollte aus aufgequollenem Holz sowie festem Torfboden bestehen, und dadurch ergab sich schon eine gute Arbeitsteilung. Eine Gruppe hob den sehr weichen und matschigen Torf aus dem Graben aus, wo der Damm entstehen würde, eine weitere Gruppe trug passende Baumstämme heran und sägte/hackte sie in Pfeilerform und der Rest holte schubkarrenweise festen Boden aus nahegelegenen Fleckchen. Als nach gefühlten Ewigkeiten genug Material vorhanden, das Loch tief genug und der Großteil unseres Teams eigentlich schon reif für Feierabend und Muskelkater war, kam dann Teil zwei: der eigentliche Staubau. Baumstamm um Baumstamm und Schaufel um Schaufel füllten wir den Graben auf, bis eine Wand entstand, die hoffentlich mit ihrer wasseraufhaltenden Funktion das Moor zu einem lebendigen Hochmoor machen würde.

 

Nach diesen kräftezehrenden Heldentaten durften Anna und ich die Woche mit etwas sehr Schönem beenden: Unser Wildtierexperte Marcus Meißner und Jörn Gollisch von unserer Stiftungswacht führten am Freitagabend mit einer Extratour durchs Dosenmoor, um den Damhirschen bei der Brunft zuzuhören. Am Treffpunkt der Führung sollten Anna und ich einen kleinen Infostand für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufbauen, und im Anschluss konnten wir auch selbst bei der Führung mitlaufen. Bei traumschönen Herbstwetter durfte auch ich endlich das Dosenmoor kennenlernen und wie die anderen Interessierten einiges Neues über die dort lebenden Damhirsche sowie ihr Habitat Hochmoor erfahren. Leider hatten wir mit den Hirschen selbst kein Glück und konnten das Röhren (was sich übrigens im Gegensatz zu Rothirschrufen überhaupt nicht majestätisch, sondern eher rülpsend-grunzend anhört!) nicht vernehmen. Dennoch war die kleine Wanderung mit Sonnenuntergang über der Heide schlichtweg bezaubernd und wir konnten uns mit glücklicher Stimmung ins Wochenende verabschieden.

 

Und auch von euch, geschätztester Leserschaft, verabschiede ich mich nun wieder. Es war mir ein inneres Blumenpflanzen und ich hoffe, auch ihr konntet trotz der verspäteten Veröffentlichung ein wenig Freude in diesen Worten finden. Die nächsten Schreiben unsererseits werden euch hoffentlich bald erreichen; und auch sie (so viel kann ich schon verraten) stecken voller Abenteuer, von denen wir kaum erwarten können, sie mit euch zu teilen.

 

Hochachtungsvoll,

eure Kira

 

 

 

Haiku der Woche:

 

Damwild auf Staudamm

Mit Leben erblüht ein Moor

Sonne taucht unter