Diese Woche werde ich euch aus dem schönen Rostock berichten. Genauer gesagt aus dem Leibnizinstitut für Ostseeforschung in Warnemünde, indem ich diese Woche mein Öki-Glück gemacht habe. Eine Woche lang habe ich dazu Henri Steinbrink begleitet, welcher hier in der Abteilung Benthos sein FÖJ absolviert.
Am Montag gegen 9 Uhr ging es für mich direkt in das Benthoslabor unter der Leitung von Dr. Michael L. Zettler. Hauptaufgabe Henri’s ist es Proben unter einer starken Vergrößerung auszuwerten. So verbrachten wir den gesamten Montag damit in kleinen Portionen Seepocken (Amphibalanus improvisus) zu sortieren und zu zählen. Unter anderem sammelten wir noch Paranais litoralis, Gammarus sp., Sinelobus vanhaareni, Einhornia crustulenta und Chironomidae und viele weitere Arten heraus. Dafür sitzt man stundenlang vor der Vergrößerung, in der linken Hand einen Zähler den man bei jedem gefundenen Exemplar anklickt und in der rechten Hand eine Pinzette. Findet man eine Art, so sammelt man diese heraus, bis man hundert Stück hat (ab 100 Stück, kann man das Gewicht hochrechnen). Danach werden die Arten gewogen und deren Anzahl eingetragen. Die Proben die wir ausgewertet haben, stammen von Testplatten auf denen getestet wird, ob ein umweltverträglicheres Abwehrmittel gegen den Kalkwurm, genauso gut funktioniert, wie das bisher genutzte. Der Kalkwurm „befällt“ Schiffsrümpfe und bildet darauf Kalkröhren in denen er lebt. Diese schaden aber auf Dauer den Schiffsrümpfen, weswegen man diesen Befall zu verhindern versucht. Nach einem hochkonzentrierten Labortag, erkundete ich nachmittags noch Warnemünde und hatte Gelegenheit die Warnemünder Woche mit der Kieler Woche vergleichen zu können (dabei ist natürlich ganz klar, welche Woche besser ist).
Der Dienstag lief eigentlich fast genauso wie der Montag ab, allerdings begann der Tag mit einer Abteilungsrunde. Jahan Vajedsamiei begann damit einen Vortrag über den Austausch von CO2 zwischen Ostsee und Atmosphäre zu halten. Dabei ging es um den Einfluss von Mythillus darauf, da durch die Muscheln ein Teil des CO2s im Sediment gespeichert wird. Grund des Vortrages war der Wechsel von Jahan nach Kiel und somit die Übergabe seiner Arbeit an Laura Fuchs. Diese hielt anschließend noch einen kleinen Vortrag zu ihrem bisherigen Werdegang. Nach dieser 2-stündigen Abteilungsrunde, machten wir uns wieder daran die besagten Proben auszuwerten. Am Nachmittag haben wir noch die zwei FÖJis vom EUCC-D bei ihrem Dünen-Monitoring begleitet. Dazu ging es (kostenlos wohl gemerkt) auf den Warnemünder Leuchtturm. Von dort aus haben wir in zwei verschiedene Richtungen, aus einem bestimmten Blickwinkel, Bilder von den Dünen gemacht. Das Monitoring läuft seit 2016, wird monatlich von den FÖJis durchgeführt und am Ende des Jahres ausgewertet.
Am Mittwoch starteten wir gegen 9 Uhr mit den Vorbereitungen unserer anstehenden Führung, durch die Ausstellung des IOWs: Ausstellung aufschließen, Lichter und Bildschirme anmachen und alles für das Müll-Monitoring bereitstellen. Um 10 Uhr war dann die Klasse 6a da. Nach einer kurzen Einführung Henri’s, ging es für die Schüler*innen damit los den Fragebogen mithilfe der Ausstellung auszufüllen. Als nach anderthalb Stunden auch die letzten fertig waren, führte Henri ein von uns zuvor vorbereitetes Experiment vor: Ein Modell stellte zwei Becken dar, welche durch eine Art Schiebetür voneinander abgetrennt waren. Das linke und deutlich tiefere Becken, war ein Modell der Nordsee. Gefüllt mit Wasser, Tinte und drei Löffeln Salz. Auf der rechten Seite war ein etwas größeres und flacheres Becken. Aufgrund seines Untergrundreliefs aber wiederrum Becken unterschiedlicher Tiefe enthielt (nach rechts hin tiefer). Bei Öffnen der Schiebetür strömte das blaue „Nordseewasser“ zu dem „Ostseewasser“. Allerdings hat salzigeres Wasser eine andere Dichte, weshalb sich das blaue Wasser (getrennt vom Ostseewasser) am Grund der verschiedenen kleineren Becken sammelte. Durch diesen Versuch wurde deutlich, dass sich das Wasser nicht vermischt. Haben die Organismen am Grund der Becken allen Sauerstoff verbraucht, so entsteht eine sogenannte „tote Zone“. Durch die Verwendung von Sauerstoff entsteht nämlich Schwefelwasserstoff. Neuer Sauerstoff kann nur durch einen erneuten Einstrom von Wasser aus der Nordsee in diese Becken gelangen. Nach dem Experiment stand noch ein kleines Müll-Monitoring an. In acht verschiedenen Gruppen, je drei Leute, mussten sie innerhalb von zehn Minuten möglichst effektiv Müll in einem abgesteckten Bereich am Strand sammeln. Nach Ablauf der Zeit, wurde der Müll ausgewertet, indem er kategorisiert und gezählt wurde. Nachmittags war ich wieder im Benthoslabor, aber ohne Henri. Dieser musste noch zu einem Seminar, bei dem er eine Kräuterwanderung machte.
Donnerstag startete der Tag wieder im Benthoslabor, mit dem Zählen von Paranias und Amphibalanus. Langsam lief das Ganze schneller und routinierter ab, als noch am ersten Tag. Nachmittags wogen wir unsere sortierten Proben auf einer extrem genauen Waage (siehe Bild). Anschließend wurde noch jede Art mit Anzahl und Gewicht in eine Tabelle übertragen. Damit endete nun auch schon mein Öki-Glück beim Leibnizinstitut für Ostseeforschung in Warnemünde.
Insgesamt war der Einblick ins Labor zwar sehr spannend aber im Vergleich zu meinem eigenen FÖJ bei der Stiftung Naturschutz doch sehr monoton. Nach einer Woche Öki-Glück beim IOW war und bin ich also doch ganz froh, wieder in meinen eigenen FÖJ Alltag zurück zu kehren.
Die nächsten zwei Wochen wird wieder Oskar reißerisch für euch zusammenfassen. Freut euch auf viel Moor, eine Entkusselung, das Falterfest und Eis essen.
Von mir: Macht‘s jut und bis zur letzten FÖJ Woche von der ich wieder berichten werde!





