Nasskalte Gartenfreuden

Von Knierohren über kniehohes Moorwasser bis zum mystischen Herrenmoor: Eine Woche voller Schlamm, Abenteuer und Heldentaten im Reich der Moore.

Verehrteste Leserschaft!

 

Der erste Schnee hat uns gestern ereilt und ich muss zugestehen, dass sich die feierliche Winterstimmung schon in mir breit gemacht hat … Vielleicht seid Ihr ja auch schon mit dem ersten Schnee beglückt worden? 
Reisen wir aber jetzt zurück in die vergangenen Wochen, wo davon noch nichts zu spüren war!
 

Unsere Zeitreise führt uns in eine wirklich voll gepackte Woche, in der wir viel draußen waren.

Am Dienstag begleiteten Kira und ich nämlich Christine und Maria in die Burger Au, ein Gebiet, das unentdecktes Neuland für uns darstellte, während Lorenz noch in den französischen Alpen umherwanderte und seinen Urlaub genoss. 
Dort erwartete uns die Mission, Knierohre für den Winter in eine passende Höhe zu bringen. Der geneigte Leser muss sich dies so vorstellen: es handelt sich um Rohre, deren oberes geknicktes Teil, das sogenannte Knie, verstellbar ist. Man kann also den Winkel dieses oberen Rohrteils verändern und so beeinflussen, wie hoch das Wasser, das sich dort im Winter ansammelt, gestaut wird. Sobald es die Höhe des Rohrrands übersteigt, fließt es durch das Rohr ab und soll so eine Überflutung verhindern. Im Winter werden die Rohre in einen steileren Winkel gestellt um viel Wasser anzustauen.

So marschierten wir den ganzen Tag durch Wiesen und über Weiden und handwerkelten an den Rohren herum.

Der Mittwoch war auch ein absolutes Neuland für uns, denn so etwas hatte uns vorher noch nicht erwartet. Die Universität Greifswald hat derzeit ein Projekt mit dem Namen „Optimum“, das sich um die Erforschung von Torfmoosen dreht und versucht, herauszufinden, welche Pflanzstrategien auf vernässten Flächen etwa am Vielversprechendsten sind. Und so kam es, dass wir das erste Mal das Königsmoor besichtigen durften, von dem wir schon viel gehört hatten. Dort angekommen lernten wir die Leiter des Projektes kennen. Nach einer kurzen Einführung, bei der wir mehr über „Optimum“ erfahren konnten, starteten wir mit dem praktischen Teil: einer Torfmoosumpflanzung.

Das sah ungefähr so aus: wir teilten uns in zwei Teams, die einen sollten das Torfmoos, das im Rahmen von „Optimum“ schon vorher auf der Versuchsfläche angepflanzt wurde, ernten und in Kisten sammeln. Die Kisten wurden dann in einen großen Bulli verladen, der immer zwischen der Erntefläche und der Pflanzfläche hin- und herfuhr. Bei der Pflanzfläche angekommen wurde das geerntete Torfmoos vorsichtig wieder an geeignete Stellen im Wasser eingesetzt. 
Ich war hauptsächlich bei dem Ernteteam dabei und tastete mich vorsichtig Schritt für Schritt durchs Moor, denn aufgrund der hochgewachsenen Binsen konnte man wirklich nicht viel sehen. Doch noch aufregender war der Tag danach, an dem wir ebenfalls wieder bei der Torfmoosumpflanzung mithalfen. Für beide Tage war schlechtes Wetter angesagt und am 2. Tag regnete es sehr viel. Wir wurden also nicht nur von unten, sondern auch von oben nass. Dick und regenfest eingepackt standen wir wieder im Königsmoor, bereit, den Torfmoosen an den Kragen zu rücken (natürlich vorsichtig). Um die erste Erntefläche nicht zu sehr zu strapazieren, ernteten wir an dem Tag von einer anderen Fläche – und diese war viel tückischer als die erste. Man konnte noch schlechter einschätzen, wie tief der nächste Schritt sein würde und das Wasser stand kniehoch. Ich ahnte recht früh, dass das noch ein böses Ende nehmen könnte und wechselte deshalb gleich nach dem ersten Durchgang zu einer Wathose. Das war das erste Mal für mich, dass ich eine Wathose anhatte, aber es hat die Arbeit so viel leichter gemacht! So konnte ich den ganzen Tag trocken bleiben und es hatte fast schon etwas Meditatives, das Moos im Regen bei kompletter Stille aus dem Wasser zu ernten, nur unterbrochen von dem Rascheln und Glucksen, wenn sich einer von uns bewegte. 
Kira hatte leider nicht so viel Glück, für sie war es das erste Mal, dass sie nasse Füße bekam. 

Insgesamt war es ein wirklich nasser und anstrengender Arbeitstag, aber ich hoffe sehr, dass unsere Arbeit dabei helfen wird, dass die Wiederanpflanzung ein Erfolg wird!

Am Freitag konnten wir Gerrit spontan auf eine Moorbaustelle begleiten. Wir fanden das Herrenmoor sehr ansprechend, mit dem braun-orangen Pfeifengras und dem Birkenwald hatte es etwas wirklich mystisches an sich, trotz des sehr windigen und regnerischen Wetters. Jenes war allerdings auch der Grund, warum die Bagger nicht im Einsatz waren und wir daher lediglich die bereits vorgenommen Maßnahmen anschauen, aber die Geräte nicht in Aktion sehen könnten. Doch der Spaziergang durchs Moor hat uns wie gesagt wirklich gut gefallen!

 

Und damit sind wir beim Ende des Blogs für die Woche angelangt. Ich wünsche der höchstverehrten Leserschaft noch einen angenehmen Tag und bedanke mich für Ihre Treue!

 

 

Auf bald!

 

- Anna

 

 

 

Haiku der Woche

 

Wassergeflüster

im Binsenwald, nass und kalt,

schleichen sie hindurch.