Verehrte Leserschaft,
unsere erste Woche als neue FÖJtis hier in der Stiftung liegt hinter uns und wir haben bereits sehr viel erleben können! Aber zuerst stellen wir uns vielleicht einmal vor, damit ihr einen ersten Eindruck von uns bekommen könnt.
Ich heiße Anna, ich bin im März 18 Jahre alt geworden und habe gerade mein Abitur gemacht. Ich komme eigentlich aus Werther in NRW und bin für das FÖJ nach Kiel in eine WG gezogen. Ich wusste, dass ich auf jeden Fall studieren möchte, wollte aber zwischen Schule und Studium etwas machen, das nicht direkt mit ständigem Lernen zutun hat. Daher erschien mir das FÖJ als eine sehr gute Möglichkeit, um auch mal draußen zu arbeiten und ganz andere Erfahrungen zu sammeln. In meiner Freizeit gehe ich gern spazieren oder mache Ausdauersport, koche oder backe und lese viel. Auch zeichnen ist ein Hobby von mir und ich würde die Zeit in Kiel gerne nutzen, um einen Tauchschein zu machen!
Und ich heiße Lorenz, bin jetzt im August 21 Jahre alt geworden und habe ebenfalls in diesem Jahr mein Abitur gemacht. Ich bin hier in Kiel, um später einmal Meeresbiologie zu studieren. Da ich aber ebenfalls nicht direkt weiter pauken wollte, habe ich mich für ein Föj als “lernpause” entschieden. Ich komme aus Aachen NRW und habe aber Zeit meines Lebens in Belgien gewohnt. Zu meinen Hobbys oder Eigenheiten gehört ein großes Interesse und “fast-Fachwissen” über Autos und Wale. Außerdem spiele und höre ich sehr gerne Musik. Was Sport angeht, schwimme und tauche ich recht gern und ärgere mich über das aktuell verschlossene Hörn Bad und Bouldern gehe ich auch mehr oder weniger regelmäßig.
Nun aber zu den Geschehnissen der Woche! Der 01.08. war unser erster Arbeitstag, an dem wir die Stiftung und all ihre Gebäude mit den unzähligen Büros kennenlernen durften. Das war zugegebenermaßen zuerst ziemlich überfordernd, denn obwohl viele der Mitarbeiter*innen der Stiftung im Urlaub waren, haben wir unzählige neue Gesichter kennengelernt. Wir wurden aber super herzlich empfangen und man konnte sich direkt wohl- und aufgenommen fühlen!
Am Freitag fand auch die erste Besprechung statt und wir erhielten einen Terminplan für den Monat, auf dem all die wichtigen Events eingetragen waren.
Am Montag starteten wir dann direkt mit unserer ersten Moortour und hatten die Ehre, die beiden FÖJler Oskar und Siri kennenzulernen, die sich im letzten Blogeintrag verabschiedet haben. Sie zeigten uns, wie man die Pegel in den Mooren misst und wir genossen unsere Pause mit Blick aufs Meer, direkt am Strand, allerdings belagert von unfassbar vielen kleinen Fliegen. Außerdem entdeckten wir während der Tour 2 Ringelnattern, die sich in der Sonne wärmten und viele kleine Frösche und Libellen.
Für den Dienstag war eigentlich ein Bürotag geplant, an dem Oskar uns in die vielen verschiedenen digitalen Programme einweisen sollte, die die Stiftung nutzt. Allerdings machten wir dann überraschenderweise doch noch anschließend eine Tour in ein weiteres Moor, das Hasenmoor, in dem wir mit meterhohen Brombeeren und Farnen kämpfen mussten, um zum Pegel zu gelangen. Glücklicherweise waren wir für diesen Kampf aber im Gegensatz zum Vortag passend gerüstet, denn Oskar hat mit uns vorher eine Shopping-Tour unternommen, bei der wir mit Gummistiefeln, Regenhosen und Arbeitshandschuhen ausgestattet wurden. Die Regenhose ist jetzt schon meine beste Freundin geworden.
Für den Mittwoch war eine weitere Moorrunde für das Pegelmessen geplant, wir besuchten das Dosenmoor, das ich besonders schön fand. Leider konnte Lorenz Oskar und mich nicht während der ganzen Runde begleiten, weil er sich am Tag davor den Fuß so stark an einem Sofa angeschlagen hat, dass sein großer Zeh angebrochen ist und er nicht mehr so gut gehen kann. Jetzt lag es also an mir, sich einen Großteil der Pegelstandorte zu merken, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich die Pegel in einem Monat wiederfinden werde…
Dennoch wurden wir mit einer tollen Aussicht beglückt, denn im Dosenmoor gibt es eine riesige Fläche, die mit Heiden bewachsen ist, die entweder schon blühen oder kurz vor der Blüte sind. Bald wird der ganze Boden rosa sein! Den restlichen Tag verbrachten wir noch am Laptop und damit, die vielen verschiedenen Programme kennenzulernen.
Der Donnerstag war definitiv das Highlight der Woche. Für diesen Tag stand das Entkusseln an, das bedeutet, dass wir auf einer großen Fläche in der Nähe der Stiftung junge Erlen aus dem Boden ziehen sollten, die sich dort ausgesät hatten, allerdings die Biodiversität langfristig bedrohen. Diese waren bereits so groß geworden, dass sie ein Mäher nur schwer zerkleinern konnte, weshalb wir das per Hand erledigen sollten.
Lorenz konnte an diesem Tag leider nicht dabei sein, aber als weitere Unterstützung kam Kiara mit, eine Auszubildende für Eventmanagement, die zeitgleich mit uns ihre Ausbildung in der Stiftung begonnen hat. Neben Lucie, die die ganze Aktion leitete, kam außerdem Siri mit, eine weitere Mitarbeiterin in der Stiftung und 3 Arbeiter, die Lucie für den Zweck engagiert hat.
Um 7:30 Uhr fuhren wir zur Fläche um dann gegen 8 Uhr anzufangen. Zuerst hatte es den Anschein, als wäre es nicht so viel Arbeit wie befürchtet. Auf der ersten Fläche gab es viele junge Erlen, aber mit dem Werkzeug, das wir extra mitgebracht hatten, funktionierte das Entwurzeln ganz gut und wenn man zu zweit arbeitete, kam man relativ schnell voran. Wir merkten allerdings schon, dass die Arbeit recht anstrengend war. Nach der ersten Fläche schritten wir das Gebiet weiter ab, um zur nächsten Fläche zu kommen, die wir überprüfen sollten, aber dort und auch bei der dritten Fläche fanden wir nur vereinzelt ein paar Erlen, die wir dann entfernten. Wir dachten also kurz, dass die anstrengendste Arbeit bereits hinter uns liegen würde und wir sehr gut vorankommen würden.
Aber dann kam die 4. Fläche, die uns all unsere Kraft kosten würde.
Hier war nämlich nicht nur die Menge der Erlen ein Problem, sondern auch der Untergrund. Im Vergleich zu den anderen Bereichen war es hier sehr nass und schlammig, es wuchs Schilf, der einem bis zur Brust reichte, sodass man auch den Boden schwer erkennen, geschweige denn das Gerät zum Entwurzeln einfach ansetzen konnte. Es dauerte Stunden, bis wir alle Bäume entfernt hatten, sodass uns mittlerweile die Arme und Hände von der ständigen Belastung wehtaten und zu allem Überfluss war Kiara auch noch vor der Mittagspause bis zur Hüfte in einem Schlammloch eingesunken. Zu zweit mussten wir sie aus dem Loch ziehen, aber nass und schlammig waren sie und ihre Stiefel dann natürlich trotzdem … Unsere Aufgabe endete aber nicht damit, die Erlen aus dem Boden zu ziehen, sondern Lucie entschied sich angesichts der Menge an Pflanzen dazu, sie an einem Ort zu sammeln. Das bedeutete, dass wir all die Bäume, die wir zuvor ausgerissen hatten, durch das Schilf und den Schlamm zum anderen Ende der Fläche tragen mussten.
Das war total anstrengend und man hatte nicht das Gefühl, weiterzukommen, nachdem man einen Haufen Erlen weggebracht hatte, aber wir gaben die Hoffnung nicht auf, dass die Menge an noch zu transportierenden Pflanzen immer weniger werden würde. Die Arbeit wurde uns auch noch dadurch erschwert, dass die Wege mit jedem Betreten immer schwergängiger und schlammiger wurden, sodass man aufpassen musste, wo man hintrat.
Irgendwann war es dann aber geschafft und wir wollten uns erschöpft aber zufrieden auf den Rückweg machen, aber auch da kam es zu Komplikationen: wir hatten uns im Wald an einem Hang festgefahren. Der Boden war so feucht und nachgiebig, dass der Wagen keinen Grip mehr fand und die Räder durchdrehten. Auch Stöcker vor die Reifen zu legen half nicht, also stellten wir drei uns nach hinten ans Auto und stemmten uns mit all unserer verbliebenen Kraft dagegen. Und der Wagen fuhr an! Die letzte Herausforderung war gemeistert und wir konnten endlich zur Stiftung zurückkehren.
Am Freitag wurden wir für unsere Arbeit mit einem Muskelkater belohnt. Lorenz wollte seinen Zeh noch weiter schonen, deshalb machten Oskar und ich mich alleine auf den Weg in ein weiteres Moor, das mir auch sehr gut gefallen hat. Das Pegelmessen verlief bis auf die vielen Spinnen gut und wir kehrten am frühen Nachmittag zur Stiftung zurück.
Das war auf jeden Fall eine wirklich bewegte erste Woche und ich bin sehr gespannt, was uns nächste Woche für Abenteuer erwarten werden.
Bis dahin, verehrte Leserschaft!
-Anna
Das Haiku der Woche
Im Wasser der Frosch,
so still liegt das Moor im Wald,
die Heide, sie summt.








