Verehrte Leserschaft,
Dieser Blogeintrag führt uns weit zurück in die (wahrhaftig) dunkle Vergangenheit des Februars. Es war ziemlich kalt in der Woche, von der ich nun berichten werde und Kira und ich haben den kältesten Arbeitseinsatz des ganzen FÖJs hinter uns gebracht, der nie zu enden scheinen wollte.
Dieses Mal werdet Ihr auch gar nicht lange auf die Erzählung des angesprochenen Abenteuers warten müssen, denn es ereignete sich bereits am Dienstag. Harmlos betitelt als “Müllsammeln” wartete der Termin in unserem Kalender. Die Aktion sollte an wunderschöner Kulisse direkt am Meer stattfinden, in der Nähe des Schwansener Sees. Dort sollten wir den Müll aufsammeln, der an den Strand und zwischen die Steine gespült wurde.
Allerdings machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung, denn es waren Temperaturen um 0°, der Wind peitschte uns vom offenen Meer entgegen und verwandelten den leichten Nieselregen, der vom Himmel auf uns niederregnete, in kleine Schneeflocken. Es war eine fatale Kombination aus Eiseskälte, schneidendem Wind ohne Unterbrechung durch irgendwelche schützende Objekte, sodass uns die Schneeflocken auch noch direkt ins Gesicht (vor allem in die Augen) getrieben wurden, sobald man zum Wasser schaute.
Unser ursprünglichen Aufgabe konnten wir also nicht so nachkommen, wie gedacht. Deshalb bauten wir stattdessen einen Zaun ab, der dort mal errichtet worden war, aus meterlangen Drahtreihen und wenigen verrosteten Eisenstäben. Die 2, 3 Stunden, die wir dort verbrachten, kamen mir vor wie Tage. Schon nach den ersten Minuten war das Gesicht taub vor Kälte und viele hatten auch taube Finger oder Zehen zu beklagen.
Die Zaunreste, die wir letztlich zusammenklaubten, füllten einen ganzen Pick-Up.
Kira und ich freuten uns schon sehr darauf, uns im Auto etwas aufzuwärmen und endlich aufzutauen und es war auch der einzige Gedanke, der mich nicht aufgeben ließ, mich diesem Wind einfach so schnell wie möglich zu entziehen.
Doch leider wollte das Schicksal es anders!
Wir waren mit einem E-Auto hergefahren, da alle anderen Autos belegt waren. Es handelte sich um Baloo, einen großen, braunen Kastenwagen, der nicht herausstechend komfortabel war, dafür aber viel Ladefläche bot. Ein großer Nachteil an diesem gelassenen und ruhig erscheinenden Auto ist aber die Reichweite, denn damit schafft man vielleicht gerade mal eine Runde um den Block.
Bei gutem Wetter.
Bekanntermaßen sorgt Kälte aber dafür, dass Batterien sich schneller entladen.
Kira und ich wussten um das Problem mit der geringen Reichweite. Als wir von unserem Einsatz aufbrechen wollten, war die Batterie noch etwa zur Hälfte geladen. Wir hätten es damit zur Stiftung geschafft, aber wir wollten nichts riskieren und am Ende mit Baloo auf der Autobahn liegen bleiben, deshalb entschieden wir uns für einen Zwischenstopp zum Laden in Eckernförde. Wir parkten das Auto also dort und suchten uns ein nettes Café aus, wo wir unsere Mittagspause verbrachten, einen heißen Tee genossen und allmählich wieder unsere Finger, Zehen und Wangen spürten. Nach dieser sehr angenehmen und gemütlichen Pause kehrten wir zufrieden zu Baloo zurück, mittlerweile auch durch das Essen nachsichtig gegenüber unseren Qualen am Vormittag gestimmt, bereit, nach Kiel zu fahren.
Die Batterie war so gut wie leer.
Geschockt starrten wir auf die Anzeige im Auto. Wie konnte das passieren?! Statt sich aufzuladen, hatte sich die Batterie irgendwie entladen, sodass wir es auf gar keinen Fall zurück nach Kiel schaffen würden.
Mittlerweile war es zwischen 15 und 16 Uhr und wir wären wirklich gerne zurückgefahren. Etwas beunruhigt und ratlos beschlossen wir, eine andere Ladesäule auszuprobieren und riskierten die kurze Fahrt durch die Innenstadt, bei der wir noch mehr Reichweite verloren. Die Ladesäule befand sich direkt vor dem Eingang eines Hotels und es war auch nur noch eine der beiden Plätze frei. In diesen konnte man aber nur so schwer einparken, dass wir bei dem Versuch fast die Nerven verloren, aber es ist alles gut gegangen. Dieses Mal achteten wir wirklich darauf, dass alles klappte und Baloo zeigte uns auf seiner Anzeigenfläche auch an, dass die Batterie geladen wurde. Auf keinen Fall wollten wir im eiskalten Auto oder davor warten, deshalb flohen wir in die öffentliche Bibliothek und genossen mit einem Buch die Wärme dort, bis sie um 18 Uhr schloss.
Hoffnungsvoll kehrten wir zu Baloo zurück, es war mittlerweile dunkel geworden. Wir schlossen das Auto auf und blickten auf die Anzeige: NICHTS. Die Batterie hatte nicht geladen!! Dabei hatte das entsprechende Symbol geleuchtet!
Verzweifelt riefen wir in der Stiftung an und konnten glücklicherweise den Kollegen erreichen, der für die Autos zuständig war. Wir schilderten ihm unsere unglückliche Lage und er unterstützte, so gut es aus der Ferne ging. Wir wechselten erneut die Ladesäule, da wir Angst hatten, nicht länger vor dem Hotel stehen zu dürfen und versuchten dort, das Auto weiter zu laden.
Dieses Mal setzten wir uns rein und beobachteten den Ladevorgang ganz genau, nachdem wir mit dem Kollegen den Ladevorgang nochmal exakt durchgesprochen hatten. Jeden neuen Kilometer auf der Reichweitenanzeige feierten wir mit lautem Jubel. Mittlerweile war uns alles egal, wir wollten einfach nur nach Hause, da konnte man auch begeistert schreiend in einem Auto sitzen, nur weil eine Zahl auf einer Anzeige sich verändert hatte.
Mit 7km Puffer fuhren wir dann los. Noch während der Fahrt stellten wir fest, dass die Kilometer dank der Rekuperation deutlich langsamer sanken. Wir konnten ganz entspannt bis zur Stiftung fahren und kamen zwischen 19 Uhr und 20 Uhr an.
Und das ist die Geschichte dahinter, warum ich mich seit diesem Tag davor fürchte, längere Strecken mit Baloo zu fahren.
Am Mittwoch konnten wir uns dann von der kleinen Polarexpedition erholen, die wir am Vortag hinter uns gebracht hatten. Da stand nämlich ein Bürotag an, an dem wir die Geräte der Mitarbeiter*innen durchchecken sollten. Keine wirklich aufregende Arbeit, aber immerhin drinnen, im warmen und solange diese zwei Kriterien erfüllt waren, war mir alles recht.
Dafür haben wir am Donnerstag eine Entkusselungsaktion mitgemacht! Nun ja, ich war zwar nicht persönlich dabei, aber ich ließ mir aus erster Hand berichten, um das geschätzte Publikum dennoch bestens von den Geschehnissen berichten zu lassen.
Es hieß von meinen Zeugen aus wärmster Quelle, dass unzählige kleine Bäume beseitigt wurden inmitten des Schnees, um so den Weg für andere Arten zu ebnen und sie nicht dem kalten Schatten auszusetzen, den die Bäume geworfen hätten. Nach anfänglichem Frieren hat die schwere Arbeit zusammen mit der Sonne, die sich herausgetraut hat, dafür gesorgt, dass sie nicht allzu sehr frieren mussten.
Zwischendurch gab es wohl noch einen kurzen Schockmoment, als Kira ihr Handy im Schnee verloren hatte, aber es konnte wiedergefunden und damit ein sehr erfolgreicher Arbeitstag beendet werden.
Am Sonntag ereignete sich ein weiteres interessantes Event, von dem ich gerne berichten würde! Kira und ich begleiteten nämlich eine Tour, geführt von einem Kollegen in der Geltinger Birk.
Die Birk zählt zu meinen liebsten Gebieten, denn die Gleichzeitigkeit von Meer und wilder Landschaft mag ich sehr. Die Winterwanderung sollte interessierten Besuchern und Besucherinnen auch die Möglichkeit geben, dieses schöne Gebiet auch bei Winterwetter zu erleben.
Leider war das Wetter aber genau so, was man sich unter diesem Begriff vorstellt. Es war neblig, nass und so reichte der Blick nicht weit, der Boden war schlammig und aufgewühlt... Aber mir hat es irgendwie trotzdem gut gefallen, es waren nette Menschen dort und im Winter hatte ich die Birk selbst noch nicht erlebt gehabt.
Doch im Sommer ist ein Besuch in jedem Fall empfehlenswert! Die weite Fahrt lohnt sich!
Ich hoffe, werte Leserschaft, das Euch dieser Bericht unterhalten konnte und Ihr einen weiteren Einblick in unser FÖJ-Dasein gewinnen konntet!
Ich wünsche Euch eine schöne Woche und ein baldiges Wiedersehen.
Auf bald!
-Anna
Das Haiku der Woche
Bibbernd und frierend
trotzten wir der Kälte,
an Küste und Moor.
















