Geneigte Leserschaft,
der Schnee ist getaut, die Schneeglöckchen erblühen und die Vögel singen – das perfekte Ambiente für einen neuen Blogeintrag. Doch in diesem Schreiben herrscht noch kein Frühlingswetter, nein, dieses Mal erzähle ich Euch von einer Zeit im tiefen Winter, eine Zeit, in der die Stiftung wie eingefroren und ein Großteil ihrer Mitarbeiter noch im Winterurlaub war. So auch Anna und Lorenz – zwei ganze Tage musste ich ohne die beiden ausharren, bis zumindest Lorenz am Mittwoch wiederkam.
Im tiefen Schnee brachen wir zum ersten Außeneinsatz des Jahres auf, um mit Michael eine Wildkamera anzubringen. Dabei begegneten uns gleich mehrere Probleme: zum einen war die Fläche unter dem Schnee zwar gefroren, sodass wir Gummistiefel zunächst für unnötig erachteten, doch die dünne Eisschicht war keineswegs stabil, und spätestens auf dem Rückweg waren unsere Schuhe alle von Matsch bedeckt. Das viel größere Problem aber war die Wildkamera an sich, die auf ihrem Display neben einigen unverständlichen Codes auch eine Fehlermeldung anzeigte. Dieser nicht näher bezeichnete „Error“ ließ sich auch nicht beheben, und daher mussten wir uns fürs Erste mit der Erkundung der Fläche zufriedengeben.
Tags darauf rief erneut die weite, verschneite Welt nach uns. Zusammen mit Lucie fuhren wir zum Duvenseer Wall, um drei Stacheldrahtzäune abzubauen. Der fallende Schnee sorgte zumindest bei Lucie und mir für Begeisterung, doch das wunderschöne Winterwetter raubte leider auch unseren Fingerspitzen jegliches Gefühl und die vielen Meter Stacheldrahtrollen waren weder handlich noch leicht. Mausi war etwas zu groß und zu schwer, um über den schmalen Weg auf die Fläche zu fahren, und so mussten wir den Stacheldraht extra weit tragen. Doch Lorenz wäre nicht Lorenz, wenn er nicht nach einem Weg suchen würde, um die Arbeit zu vereinfachen, also baute er einen “Schlitten” aus Draht (siehe auch Foto). Dadurch konnten wir alle Rollen ineinander verhaken und zu zweit auf einmal zum Auto ziehen, was uns durchaus einige Wege und damit verbundenen Muskelkater ersparte. Dennoch brauchen wir nach derartigen Heldentaten auch wieder Ruhepausen und so verbrachten wir den darauffolgenden Freitag im Homeoffice.
Am Montagnachmittag begaben Lorenz und ich uns mit Mausi auf eine größere Reise zum Johannistal, einem wunderschönen Stiftungsland kurz vor Fehmarn. Unser Auftrag war es, Akkus von kleinen Weidezäunen auszutauschen, die junge Pflanzen vor den dort lebenden und sehr hungrigen Galloways schützen sollten. Die besagten Pflänzchen sind ökologisch wertvolle und teils bedrohte Stauden und wurden erst kurz zuvor durch die Stiftung gepflanzt, wodurch sie noch keine Chance hatten, sich selbstständig auszubreiten. Wenn sie also ein Rind probieren und für schmackhafter als die ach so langweiligen Gräser erachten würde, wären sie im Nu vernichtet, und das wäre kaum zielführend zur Erhaltung der Biodiversität.
Nach einer sehr entspannten Hinfahrt erwartete uns dort etwas ruckeliges Gelände, welches neben Steilhängen auch Glatteis zu bieten hatte – eine eigentlich sehr ungünstige Kombination, mit Lorenz als erprobtem Geländefahrer und Mausi als erprobtem Geländewagen fühlte ich mich aber durchwegs sicher. Ohne größere Zwischenfälle arbeiteten wir die Zäune ab und machten sie bereit für den Solarbetrieb im Sommer (für den wären wir übrigens auch mittlerweile bereit!).
Am Dienstag war ich wieder mit Anna unterwegs, und wir hatten uns eigentlich vorgenommen, zum Himmelmoor zu fahren. Dort waren wir bereits im November, um Müll- und Ameisenhaufen einzumessen, in einem tragischen Moment der Unaufmerksamkeit hatten wir aber ohne diese Daten zu speichern unser Tablet ausgeschaltet, und so mussten wir unsere Tour wiederholen. Nun standen wir also irgendwo nördlich von Hamburg, blickten in diesen Wald vor uns und sahen – Schnee. Eine blickdichte Decke, deutlich höher als die paar Flocken, die zu der Zeit in Molfsee lagen, blockierte jegliche Sicht auf potenzielle Müllhaufen; so blieb uns nichts übrig, außer das Einmessen ein weiteres Mal zu vertagen und statt des Himmelmoors nun das Kaltenhofer Moor und Hasenmoor für eine spontane Moortour zu besuchen. Hier hatten wir noch eine Begegnung mit einem sehr süßen und fast zutraulichen Feldhasen, dem wir beim Zweige anknabbern zuschauen konnten, und dann war es auch schon wieder Zeit für Feierabend und ein bisschen mentale Vorbereitung auf den nächsten Tag.
An diesem stand nämlich eine Entkusselungsaktion in einem großen Team mit Landesrangern und weiteren helfenden Händen an. Mit der Aktivität haben wir mittlerweile reichlich Erfahrung (positiv wie negativ – ich verweise an dieser Stelle auf vorangegangene Blogeinträge) und so kamen wir ziemlich gut voran. Bei den eisigen Temperaturen wollten wir auch alle schnell fertig werden - wir zitterten mindestens genauso doll wie die Erlen, denen wir an die Wurzeln rückten - in der Mittagspause blieb zwischendurch aber doch genug Zeit, um einmal über das metertief gefrorene Eis auf dem Bültsee zu schliddern.
Den Donnerstag nutzten wir, um uns im Homeoffice aufzuwärmen, und so war dieser recht ereignislos. Erst am Freitag folgte der nächste Auftrag: Anna und ich quetschten sich mit fast dem ganzen Moorteam der Stiftung in Sternenschweif (der silberne Škoda Yeti) und die Diva (Dacia Duster), um in einem Moor Torfmoose anzusiedeln. Bei einer größeren Torfmoospflanzungsaktion im Königsmoor waren wir schon dabei gewesen, sodass wir die Vorgehensweise schon kannten und direkt loslegen konnten. Die Hälfte von uns blieb bei der Erntefläche, in unserem Fall ein langer, dicht mit Torfmoosen bewachsener Graben, um dort vorsichtig die Torfmoose einzusammeln. Sobald die ersten Ikea-Tüten gefüllt waren, legte die andere Hälfte mit ihrem eigenen Job los: das Ausbringen der Pflanzen. Je nach Art bevorzugen sie etwas unterschiedliche Lebensräume: besonders die rötlichen Torfmoose (Sphagnum rubellum) haben hohe Ansprüche und können in tieferen Pfützen „ertrinken“, während das grüne Sphagnumcuspidatum oft schwimmend oder sogar ganz unter Wasser gefunden werden kann. Darauf mussten wir beim Umsiedeln natürlich achten, damit die Torfmoose nicht absterben, sondern sich möglichst schnell vermehren und Wasser für das wiedervernässte Moor speichern können. Auch wichtig war es, beim Ernten des Torfmooses nicht zu viel auf einmal zu entnehmen, damit auch an den Erntestellen die Bestände erhalten bleiben. Zwischenzeitlich wechselten wir uns ab, sodass jeder mal ernten und mal ausbringen konnte, und dank des perfekten Teamworks waren schon bald alle Flächen mit kleinen Torfmooshäufchen übersät.
Den runden Abschluss dieser zwei Wochen gab es für mich aber erst am Sonntag. Zusammen mit Kiara begleitete ich nämlich noch eine Winterwanderung, für welche Maria durch das Stiftungsland Kiel-Hammer führte. Unser Weg schlängelte sich über eine Wilde Weide vorbei an ganz kuscheligen Galloway-Kälbchen und dem etwas weniger kuscheligen Bullen Alexis, der uns aber glücklicherweise auch nur aus der Entfernung beäugte, während Maria den Mitwandernden ihr Wissen über Flora und Fauna der dortigen Habitate näherbrachte.
Damit habt Ihr, geschätztes Publikum, das Ende eines weiteren Blogeintrags erreicht und könnt gut informiert und hoffentlich gut unterhalten zurückkehren in euren Alltag. Genießt die Frühlingsluft und Sonnenstrahlen, gehabt euch wohl und auf bald!
-Kira
Haiku der Woche:
Fallende Flocken
decken Zeit und Arbeit zu
still auf Moor und Wald




















