Werteste Leserschaft,
steigt in eure Zeitmaschinen und schnallt euch gut an, denn es geht zurück in den Dezember! Ich nehme euch heute mit in eine der weihnachtlichsten und vollgepacktesten Wochen unseres Jahres, und als exklusives Weihnachtsschnäppchen gibt es in diesem Blog zwei Extratage gratis dazu!
Diese beiden Extratage sind der Samstag und Sonntag der Vorwoche. Lorenz hat euch im letzten Schreiben schon von seinen Erlebnissen auf der Landesdelegiertenkonferenz an diesem Wochenende berichtet, doch auch Anna und ich waren alles andere als untätig. Früh am Samstagmorgen schnappten wir uns die Diva (den etwas pingeligen Dacia Duster der Stiftung) und machten uns auf in Richtung ErlebnisWald Trappenkamp. Hier findet jedes Jahr die Waldweihnacht statt, ein Familienevent, bei dem der ganze Erlebniswald festlich geschmückt wird und über 80 Stände und Mitmachangebote aufgebaut werden. Einer dieser Stände wird jedes Jahr von FÖJtis organisiert, und eigentlich waren auch dieses Jahr mehrere Freiwillige eingeplant – unsere Unterstützenden haben jedoch kurzfristig abgesagt, sodass nur Anna und ich übrig waren. Davon ließen wir uns aber nicht aufhalten und setzten unsere Bastelideen (ein individuell dekorierbarer Adventskranz aus Papptellern und Papier sowie Tannenbaumanhänger aus Filz) in die Tat um.
Sofort nach unserer Ankunft mussten wir mit dem Aufbau loslegen, denn um 10 Uhr sollten die Eingangstore des Weihnachtsmarktes geöffnet werden, und die Leute standen schon weit davor Schlange. Rasch bauten wir Tisch und Bank auf, legten Filz, Pappe, Schere und Klebestift parat und dann durften wir auch schon den ersten motivierten Weihnachtswichteln zeigen, wie man unsere Adventskränze und Filz-Geschenke bastelt. Den Kindern und Familien eine Freude zu machen, war wohl der schönste Teil des Wochenendes, aber zwischenzeitlich wurde es auch sehr stressig. Für unsere Adventskränze mussten wir die Pappe vorher kleinschneiden, und wenn zu viele Familien gleichzeitig basteln wollten, hatten wir durch den Personalmangel auch Materialmangel, da wir mit dem Schneiden schlichtweg kaum hinterherkamen. Also war Pappe schneiden unsere Hauptbeschäftigung, bis die Besucherströme zumindest zwischenzeitlich etwas nachließen. In diesen kurzen Pausen genossen wir warme Mutzen, Handbrot und Punsch und bei einer größeren Pause konnten wir auch einmal selbst über den Weihnachtsmarkt spazieren. Abends wurden wir dann mitgenommen zum Jugendwaldheim Hartenholm, in dem wir übernachten konnten, um am Sonntagmorgen gleich weitermachen zu können. Am zweiten Tag kehrte allmählich eine Routine bei uns ein – zwischen Kindern helfen, Material basteln und heiße Schokolade trinken verging die Zeit ganz schnell und ehe wir uns versahen, wurde schon wieder abgebaut und dieses sehr schöne Weihnachtswochenende war schon wieder vorbei.
Auch am Montag kehrten wir jedoch nicht zurück zu unserem Alltag in der Stiftung. Stattdessen zog es uns (das nun wiedervereinigte FÖJ-Trio) in den Wildpark Schwentinental und das dortige Knikhus, um an unserer zweiten Handysortierparty teilzunehmen. Für alle neuen Lesenden, die weder den ersten Blogeintrag noch den Beitrag im Schleswig-Holstein-Magazin (dessen Reporter uns an diesem Tag begleitet haben) gesehen haben, erläutere ich an dieser Stelle nochmals das Konzept: Menschen geben ihre Althandys bei einer Sammelstelle wie das Knikhus ab, Freiwillige sortieren die Handys und entfernen, wenn möglich, den Akku und die Sammelstelle gibt die sortierten Kisten weiter. Die noch funktionierenden Handys werden dann zum „Refurbishen“, also generalüberholen, weiterverkauft, alles kaputte wird stattdessen recycled – und bei Handys lohnt sich das, denn in ihnen stecken auch im kaputten Zustand reichlich Gold, Seltene Erden und weitere wertvolle Metalle. Das Besondere an unserer Aktion? Die Erlöse aus den verkauften Altgeräten kommen in einen Förderfonds, aus dem migrantische FÖJtis unterstützt und größere FÖJ-Projekte ermöglicht werden. So taten wir also gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt und die Freiwilligenarbeit, und da diesmal mehr FÖJtis von außerhalb unserer Seminargruppe dabei waren, konnte ich auch noch neue Bekanntschaften schließen. Außerdem durften wir in der Mittagspause die kuschligen Minishettyponys und aufgeweckten Zicklein des Wildparks besuchen (das wahre Highlight der Woche!).
Nach diesem Tag verließ Lorenz uns schon wieder für den Rest der Woche. Während er an der Jugendberufsmesse mitwirkte und auf einem Sprechi-Treffen wichtige Dinge diskutierte, kehrten Anna und ich am Dienstag zurück in die Stiftung, um uns unseren dortigen Aufträgen zu stellen.
Der erste solche Auftrag kam von unserem Betreuer Jannis höchstpersönlich. Er wollte nach Bünsdorf reisen, um auf einigen Flächen Saatgut auszubringen, und brauchte tatkräftige Unterstützung von uns. Nach einer kurzen Einweisung in die beste Technik (genau so, wie man sich das Aussäen bei mittelalterlichen Bauern vorstellt) machten wir uns also an die Arbeit und verteilten systematisch zukünftige Blütenvielfalt auf dem noch sehr öden, matschigen Boden. Als eingeschweißtes Team kamen wir auch wirklich gut voran, bis wir spontane Gesellschaft bekamen – die Galloways, die eigentlich am anderen Ende der Fläche grasten, wurden wohl neugierig und auf einmal wurde ich von einer Gruppe Robustrinder umzingelt, die alle unbedingt wissen wollten, was für duftende Körner wir da in unseren Streuwannen hatten. Glücklicherweise waren sie alle friedlich gestimmt (vielleicht spürten auch sie Vorfreude auf die diversen Schätze, die bald auf ihrer Wiese wachsen würden?) und ich konnte der flauschigen Menge unversehrt entkommen.
Wieder in der Stiftung angekommen, stießen Anna und ich noch auf Jörn. Mit ihm wollten wir am folgenden Tag zum Naturschutzgebiet Höltigbaum ausrücken, um Haselmauskästen anzubringen, diese mussten jedoch zunächst in unserem Auto verstaut werden, und angesichts der Vielzahl an Holzhäuschen war das absolut eine Gruppenaufgabe. Balu, unser E-Kangoo, hat zwar viel Platz in seinem Innenraum, es mussten allerdings ja auch noch drei Personen im Auto sitzen können, und so spielten wir Haselmauskasten-Tetris, bis wir unsere Fracht transportsicher untergebracht hatten.
Glücklicherweise sind wir auf der Hinfahrt am Mittwoch aber nicht im gleichen Auto gefahren, sodass sich zunächst niemand auf der Rückbank bzw. den Holzkästen niederlassen musste. Um die Kästen an ihre zukünftigen Plätze zu bringen, waren wir dann aber doch zu dritt mit Balu unterwegs – wie gemütlich es auf der Rückbank war, seht ihr in den Fotos unten. Nach einer kurzen Runde durch den Höltigbaum, bei der wir die Kästen nur übergangsweise ablegten, brachten wir den ermüdeten Balu zu einer Ladesäule, denn mit seinen 150km Reichweite wären wir nicht mehr bis nach Hause gekommen. Nun waren mit dem E-Up von Jörn unterwegs und brachten die zukünftigen Haselmaushäuschen endlich an ihren finalen Orten an. Nagel um Nagel kämpften wir gegen widrigste Bedingungen an – mal war das Holz zu hart, mal der Hammer zu klein oder die Nägel zu schief. Doch auch wenn sie vielleicht nicht perfekt-gerade am Baum hängen, werden die unscheinbaren Holzkästen eine wichtige Unterstützung für alle Haselmäuse sein, die in den Höltigbaum umgesiedelt werden.
Die finale Herausforderung des Tages stand jedoch noch vor uns. Wie zuvor erwähnt, hat Balu ja nicht die größte Reichweite und musste zwischengeladen werden – aber nur weil wir mit den Haselmauskästen fertig waren, hieß das leider nicht, dass auch Balu mit Laden fertig war. Für den Rückweg (ca. 100 km) hatten wir nun eine Reichweite von… Trommelwirbel… 100 km! Klingt das nicht entspannt? Nun, in einer Hinsicht war es eine sehr entspannte Heimfahrt, denn um jedweden Funken Strom zu sparen, den man sparen könnte, durften wir natürlich auch nicht viel schneller als 80 km/h fahren. Trotzdem bereiteten wir uns mental auf das schlimmste vor und glichen alle zwei Kilometer die Reichweite mit der Strecke vor uns ab – bis wir durch unseren magischen Fahrstil mit rund 15 Kilometer Restreichweite auf dem Stiftungsparkplatz standen.
Nach diesem Abenteuer brauchten wir am Donnerstag erstmal eine Pause. Wir gesellten uns zunächst zur Medien- und Kommunikations-Abteilungsrunde, bei der im Rahmen eines „Quartalsbrunches“ die Geburtstagskinder des letzten Quartals gefeiert wurden (und natürlich folgten wir dem verlockenden Klang von kostenlosem Essen). Im Anschluss daran hatten wir noch weitere Meetings, nachdem wir damit durch waren, war es aber doch erst früher Nachmittag. Um unseren doch recht vollen Terminkalender zu entlasten, fuhren wir also noch nach Borgwedel. In diesem schönen Gebiet an der Schleimündung sollten wir wie schon zu Anfang der Woche Saatgut verteilen, diesmal aber auf den unzähligen Maulwurfshügeln auf der Fläche. Wir dachten, mit Harke und Streuwanne seien wir gut ausgerüstet – wir hatten unsere Rechnung nur leider ohne den Wind gemacht, der uns mit unaufhörlichen Böen immer wieder das Saatgut um die Ohren pustete. Mit einer etwas abgewandelten Technik versuchten wir es trotzdem weiter, bis uns die Dunkelheit ein wirklich unüberwindbares Hindernis in den Weg stellte und uns zur Rückfahrt zwang.
Kaum war es am Freitag hell, machten wir uns aber schon wieder auf den Weg in die matschigen Weiten des Stiftungslandes, um im Hasenmoor und Kaltenhofer Moor die monatlichen Wasserstandsmessungen durchzuführen. Im Kaltenhofer Moor konnten wir dieses Mal schon sehr früh erkennen, wo das Wasser stand: überall, und ganz besonders viel auf unseren normalen Pfaden. So mussten wir einen anderen Weg finden, und da wir bei wenigen Grad über null nicht schwimmen wollten, war unsere beste Chance ein kürzlich umgefallener Baumstamm, der genau auf die andere Seite des übergelaufenen Grabens reichte. Vorsichtig robbten wir also über das glitschige Holz und behielten tatsächlich trockene Füße - zumindest, bis sich auf dem Weg zum letzten Pegel Annas Gummistiefel in einem Schlammloch verabschiedete.
Nach diesem Zwischenfall wollten wir eigentlich am liebsten nur noch ins Wochenende… die Zeit dafür war aber noch nicht gekommen, denn am Abend war die Weihnachtsfeier der Stiftung geplant. Diese begann mit einem schönen Gruppenspaziergang durch das Eidertal, der glücklicherweise ohne Zwischenfälle verlief. Nachdem wir uns also endlich mal die Beine vertreten hatten, ging es zurück zur festlich geschmückten Stiftung. Bei der Weihnachtsfeier lauschten wir noch ein paar Reden, rätselten bei einem sehr lustigen Pub Quiz um die Wette, bewunderten einen Auftritt unserer Stiftungsband und schließlich konnten wir mit leckerem Essen und heißem Punsch an einem kleinen Lagerfeuer bis spätabends die Woche ausklingen lassen.
Bei dieser entspannten Atmosphäre könnte man glatt meinen, wir würden schon in den Weihnachtsurlaub starten, aber nein, liebe Leserschaft: der nächste Dezember-Blogeintrag voller Spannung erwartet euch schon sehr bald. Freuet euch, bleibt gesund und auf Wiederlesen!
- Kira
Haiku der Woche:
Weihnachten umgibt
Pausenlos Abenteuer
Überall, Winter











