Das 3. Seminar!

Schneesturm, Werwolfnächten und Blind Dinner: Warum dieses Winterseminar trotz Chaos, Schlafmangel und 15 cm Schnee unvergesslich wurde.

 

Verehrte Leserschaft, 

 

nun, wie geht es Ihnen? Der Januar neigt sich dem Ende und damit sind wir schon einen Schritt näher am Frühling - juhu! Ich kann den Schnee und die Minusgrade im Wetterbericht wirklich nicht mehr sehen ... So langsam verliere ich den Glauben daran, dass es auch eine warme, grüne Landschaft geben kann.

In der Woche, von denen ich Ihnen nun berichten möchte, gab es zwar auch viel Schnee, aber die gute Nachricht: wir mussten kaum draußen herumstiefeln!  
Denn ein weiterer Seminarblog steht an – lehnt Euch zurück und lauschet, was ich zu berichten habe.

 

Lorenz und ich reisten als Teil des Orga-Teams bereits am Sonntagnachmittag an. Unser 3. Seminar fand in der Nähe von Schleswig statt, genau gegenüber von Haithabu, falls das den geneigten Lesern etwas sagt. Wir konnten vom Haus durch den Garten zum See hinunterlaufen und auf der anderen Uferseite das Museum sehen.  
Unser Haus, das den Namen “Klöndeel” trug, war ein typisch norddeutsches Gebäude. Von innen war es größtenteils nicht modern eingerichtet, sondern strahlte in seiner Bauweise und Einrichtung noch immer Tradition und Einfachheit aus. Die Zimmer waren alle sehr individuell und niedlich eingerichtet, sodass man sich wohlfühlen konnte. Besonders in dem Wohnzimmer, wo mehrere Sofas und sogar ein kleiner Kamin stand, war eine sehr gemütliche Atmosphäre.

Das Orga-Team verbrachte den gesamten Abend damit, sich auf die kommenden Tage vorzubereiten und letzte Absprachen zu halten, was von wem und auf welche Art vorgetragen werden sollte. Außerdem feierten wir noch den Geburtstag von Hannah, einer lieben Freundin, die auch zum Orga-Team gehörte und am Sonntag 19 geworden war, mit einem wunderbaren Karottenkuchen – alles Liebe nochmal! <3 

Am Montag warteten wir dann gespannt und voller Vorfreude auf die anderen Freiwilligen unserer Gruppe, doch das gestaltete sich als abenteuerlicher als gedacht. Während wir im warmen Esszimmer saßen und uns entspannten, konnten wir beobachten, wie sich draußen ein Schneegestöber auftat, das gar nicht daran dachte, aufzuhören. Wir wurden komplett zugeschneit und es lagen bestimmt 15cm Schnee, als die ersten tapferen Reisenden mit schwerem Gepäck und komplett durchnässt in unserer Diele standen und alles volltropften. Es gab ein chaotisches und freudiges Wiedersehen, Kofferstapeln und lauter nasskalte Umarmungen, bevor wir mit der Zimmereinteilung beginnen konnten und sich der Trubel erstmal lichtete.  
Nach dem Mittagessen begann dann unsere erste Seminarstunde, der Einstieg in das Thema “Kulturelle Vielfalt”. Alles verlief wunderbar. Am Abend verfolgten manche außerdem das Handballspiel zwischen Deutschland und Dänemark mit großem Interesse, darunter auch ich, denn mit Tino und Kira im Raum, zwei absoluten Handballexperten, hatte ich eine sehr spannende Live-Moderation, die das Spiel nochmal deutlich aufwertete.
Des Nachts erhoben sich außerdem die ersten Wolfsheuler über Haithabu, als sich ein paar Leute im Wohnzimmer versammelten, um Werwolf zu spielen …

 

Dennoch wurden am Dienstagmorgen keine Verluste unter den Seminarteilnehmern gemeldet, außer den üblichen Verdächtigen, die das Frühstück zugunsten von mehr Schlaf ausfallen ließen.  
Lorenz hielt am Vormittag einen sehr interessanten Vortrag zu Neurodivergenz, durch den ich persönlich auch einen viel besseren Eindruck davon bekommen habe, vor welchen Herausforderungen neurodivergente Menschen manchmal stehen. Wir haben zum Beispiel ein Spiel gespielt, bei dem jeder eine gewisse Aufgabe bekommen hat, die er während des Gesprächs in der Kleingruppe erfüllen musste. Das konnte sein, dass man niemanden in die Augen schauen durfte, oder dass man alle 30s das Thema wechseln musste. Es war echt schwierig, sich auf die Unterhaltung und die Aufgabe gleichzeitig zu konzentrieren und deshalb eine wirklich gute Methode, um bestimmte neurologische Unterschiede und deren Folgen zu simulieren. 

Nachmittags wurde eine weitere sehr interessante Stunde vorbereitet, bei der wir unter anderem ein Kulturquiz lösen mussten. Ich möchte mit Stolz erwähnen, dass Kira, Morgaine, Tino und ich den ersten Platz gemacht haben! (Auch wenn wir ihn uns mit einer weiteren Gruppe teilen mussten, aber das sind ja eher unwichtige Informationen für die geehrte Leserschaft...)  
 
Abends wurden wir dann kreativ und haben mitgebrachte T-Shirts bemalt. Ich habe, inspiriert von dem Quiz am Nachmittag, ein Säbelzahneichhörnchen auf mein Oberteil gemalt. Andere haben total kreative Muster, Pusteblumen oder Quallen erschaffen und die Ergebnisse sahen allesamt richtig toll aus! 

 

Am Mittwoch waren Ava und ich dann an der Reihe ... Vormittags wurde die Stunde zwar noch von 2 anderen Freiwilligen gestaltet, aber der Nachmittag war zur Hälfte von uns beiden organisiert und ich war wirklich etwas nervös, ob das alles so klappen würde, wie wir es uns vorgestellt haben ... Wir sollten den Einstieg in das 2. Seminarthema “Biodiversität” gestalten und hatten uns dafür überlegt, das sich kleine Gruppen formen sollten, die zu verschiedenen Themen eine kurze Präsentation vorstellen sollten. Zunächst einmal gab es Themen zur Definition von Biodiversität und zu den Gefahren, denen sie ausgesetzt ist, also zum Beispiel Neobiota, Klimawandel, Umweltverschmutzung und landwirtschaftlicher Nutzung. Anschließend wollten wir noch besprechen, wieso Biodiversität eigentlich auch von essenzieller Bedeutung für die Menschheit ist.  
Glücklicherweise hat alles gut funktioniert, auch wenn wir etwas in Zeitnot geraten sind, aber am Ende waren wir beide zufrieden mit unserer ersten Stunde und konnten uns ganz auf den nächsten Tag fokussieren.  
Das heißt, eine Herausforderung sollte mich noch am Abend erwarten.

Als besonderes Abendprogramm habe ich mir überlegt, dass wir ein BlindDinner veranstalten könnten. Die Idee stammte von Kira und ich habe sie dankbar aufgenommen! Dabei geht es darum, dass in kompletter Finsternis gegessen wird – so weiß man aber natürlich nicht, was sich auf dem Teller befindet. Deshalb ist es das Ziel, so genau wie möglich herauszufinden, was man gerade zu sich genommen hat.

Ich habe mir für den Abend im Vorhinein ein 3 Gänge Menü überlegt und das mit einem kleinen Kochteam für die gesamte Gruppe zubereitet. Wenn alle ihren Teller erhalten hatten, haben wir das Licht gelöscht und die Anderen durften ihre Augen öffnen, wobei das wegen der Lichtverhältnisse kaum einen Unterschied gemacht hat. Blind wurde dann probiert, gegessen und überlegt, was es wohl sein könnte.  
Das verehrte Publikum ist jetzt sicherlich auch interessiert zu erfahren, was es zu verkosten gab: als Vorspeise wurde eine Pastinakencremesuppe aufgetragen. Das Hauptgericht war ein Pilzgulasch mit Semmelknödeln und als Dessert wurde ein Schichtdessert aus Joghurt, Obst und Schokolade gereicht.

Insbesondere das Hauptgericht hat mich in Nervosität versetzt, denn ich hatte erst einmal zuvor Semmelknödel gemacht und vor allem nicht für 30 Personen! Natürlich erhielten wir dann noch ausgerechnet an dem Abend Besuch von einem ehemaligen Freiwilligen und der Dame, die uns mit den Lebensmitteln versorgte ... Ich lief also ständig zwischen meiner Schüssel mit dem Teig und dem Kochtopf mit dem Versuchsknödel hin und her, den ich liebevoll Bob getauft habe, um mich zu vergewissern, dass er sich nicht aus einer spontanen Laune heraus in seine Einzelteile zerlegte.  
Und irgendwie ist am Ende auch alles gut gegangen! Jedes Gericht ist gelungen und hat gut geschmeckt, auch wenn ich während der Zubereitung doch meine Zweifel hatte.  
 
Ansonsten wurde auch das Handballspiel zwischen Deutschland und Frankreich im Wohnzimmer verfolgt und eine große Begeisterung folgte, als die Deutschen das Spiel für sich entscheiden konnten. Damit ging es für uns ins Halbfinale! 

 

Nach so einem erfolgreichen Tag war ich bereit, den Donnerstagvormittag genauso abzuschließen und mich dann endlich entspannen zu können. Allerdings war auch diese Stunde ein ziemlich kniffliger Fall mit offenem Ausgang, denn die Wetterlage hatte sich nicht verändert und es lag immernoch überall Schnee. Das gestaltete sich als wenig hilfreich, denn wir hatten eine Exkursion zur Erkundung der Flora und Fauna vor Ort vorbereitet, um einen Eindruck der verschiedenen Ökosysteme zu erhalten. Dafür war eigentlich eh schon die falsche Jahreszeit, aber mit einer 15cm hohen Schneedecke über dem Boden und Temperaturen nahe Null befürchteten wir, dass sich das deutlich auf die Ergebnisse und die Motivation auswirken würde ... Nach dem Frühstück hatten wir auch noch einen Salzteig vorbereitet, mit dem man Abdrücke von Rinden oder Blättern machen konnte, weil wir das eine ganz nette Idee fanden. 

Doch wir wurden eindeutig positiv überrascht! Die Gruppen präsentierten uns wirklich tolle Ergebnisse und Fotos und die Abdrücke waren auch sehr gelungen. Ein ganz besonders aufmerksames Team hat sogar ein Krokodil gesichtet!

Unser Zeitplan ging genau auf und wir konnten uns sehr zufrieden zum Mittagessen begeben und mit Kürbissuppe aufwärmen.

 

Aber die vergangenen Abenteuer machten sich so langsam bemerkbar... Es erschienen morgens immer weniger Leute zum Frühstück, denn die Nächte wurden länger und länger für viele von uns. Besonders am Donnerstagnachmittag, wo noch eine eher theorielastige Stunde vor uns lag, machte das deutlich. Wir waren alle müde und kraftlos, vollkommen im Nachmittagstief versackt. Mit letzter Kraft brachten wir auch diese Seminarstunde hinter uns, während manche bereits Strategien entwickelten, wann sie sich am besten zum Schlafen hinlegen, um in der Nacht wieder Energie zu haben. Ab und zu tauchten deshalb verschlafene zu völlig unpassenden Zeiten in irgendwelchen Räumen auf.

Das Abendprogramm war auf jeden Fall einzigartig, denn eine recht große Gruppe hatte sich im Wohnzimmer versammelt, um zusammen den ersten Twilight Film zu sehen. Das war definitiv ein Erlebnis. 

 

Und dann war auch schon der letzte Tag angebrochen. Unsere letzte Seminarstunde war recht kurz, denn wir mussten ja noch das ganze Haus aufräumen. Alle wuselten hin und her und bereiteten sich auf die Abreise vor, schrubbten, putzten, kochten und tanzten unsere legendären FÖJ-Tänze, die uns natürlich auch die vorherigen Tage stetig begleitet hatten. Und dann kam der Aufbruch doch ganz plötzlich, wir verabschiedeten uns viel zu kurz von allen, die nicht nach Kiel fuhren, oder den späteren Bus nehmen wollten und schlitterten auf dem gefrorenen Schnee samt Gepäck zur Bushaltestelle. 
Der Rückweg stellte reisetechnisch zum Glück kein Problem dar und wir fanden alle unseren Zug und den Weg nach Hause. 

 

Auch dieses Seminar war wieder total lustig und schön.  
Ich möchte den geneigten Lesern an dieser Stelle trotzdem verraten, dass ich mich zwar nicht so sehr für unsere Seminare begeistern kann, wie Kira und Lorenz es tun, weil es mich ziemlich anstrengt, für so lange Zeit ununterbrochen mit Menschen zusammen zu sein, von denen ich nicht alle sehr gut kenne. Aber das letzte Seminar war auf jeden Fall das Beste von den dreien, die ich schon erlebt habe und es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich keine gute Zeit hatte!
Aber trotzdem liegt es mir am Herzen, darauf aufmerksam zu machen, dass nicht jeder eine solche Zeit problemlos genießen kann, sondern dass es auch durchaus herausfordernd sein kann. Niemand sollte ausgeschlossen werden oder sich einsam fühlen, nur weil man sich mal mehr zurückzieht und Ruhe braucht und kein furchtbar extrovertierter Mensch ist.  
Ihr seid genauso wunderbar, wie ihr seid – nehmt euch so viel Zeit, wie ihr braucht, zieht euch so sehr zurück, wie es für euch wichtig ist. Und dann hoffe ich, dass ihr danach freudig wieder von euren Freunden auf- und mitgenommen werdet, wenn ihr wieder Energie habt, denn so sollte es sein! <3

 

Haiku der Woche 

Schneeballschlacht entbrennt 

Und Lachen erfüllt das Haus 

Bei Werwolfsgeheul.