5 Tage in Glücksburg

Ungelöste Verbrechen beim Abendessen, lehrreiche Diskussionen und endlos viele Tanzschritte: dieser Eintrag erzählt die Geschichte einer unvergesslichen Seminarwoche.

Geschätzte Leserschaft, 

 

willkommen zurück zu einem weiteren Blogeintrag eurer liebsten FÖJtis! 

Dieser Eintrag ist ein besonderer, denn er handelt nicht von einer gewöhnlichen Arbeitswoche – nein, meiner Wenigkeit wurde die Aufgabe anvertraut, unser zweites Seminar zusammenzufassen! Dies ist zunächst, wie auch Lorenz es Ende August schon so schön formuliert hat (ihr erinnert euch bestimmt…), völlig überfordernd. Aber ich werde mein Bestes für euch tun!

 

Die erste Novemberwoche führte uns FÖJtis aus der Gelben Gruppe (die FÖJtis aus Einsatzstellen in Kiel und Umgebung) in den artefact Energiepark bei Glücksburg, und die fünf Tage, die wir dort verbringen durften, zählen ungelogen zu den schönsten meines Lebens. Die Stimmung, die dort herrschte, zu Papier zu bringen, scheint mir unmöglich, aber ich kann euch nur versichern: es war großartig. 

Um diesen Blogeintrag nicht ins Unendlich wachsen zu lassen, werde ich versuchen, statt einer vollständigen chronologischen Zusammenfassung nur die wichtigsten Momente für euch niederzuschreiben. 

 

Doch schon die Anreise zählt dazu: Am Kieler HBF sind natürlich mehrere von uns gestartet, und so hatten die ein oder anderen Freunde vom letzten Seminar ihr lang ersehntes Wiedersehen. Ich dagegen nutzte die Zugfahrt, um überhaupt erste Namen zu lernen. Nach und nach gesellten sich noch mehr FÖJtis zu uns und als wir erfuhren, dass unser Anschlusszug unseren Halt einfach überspringen würde, standen wir schon vor dem ersten Problem. 13 FÖJtis und Gepäck in einen normalen Linienbus zu quetschen, war eine lustige Angelegenheit, doch es passte so gerade eben und wir kamen mit nur einer Stunde Verspätung in Glücksburg an. 

 

Dort erwartete uns ein langer, aber lustiger erster Tag. Da ich nicht die einzige Person war, die das erste Seminar nicht erlebt hat, fingen wir mit Kennenlernspielen („Ich packe meinen Koffer“ aber mit Namen, etc.) an und irgendwie haben die sogar Spaß gemacht. Darauf folgte eine Geländeführung, denn wir waren nicht in irgendeiner Jugendherberge untergebracht, sondern im artefact: einer Umweltbildungsstätte inklusive eines wirklich spannenden Energieerlebnisparks, den wir uns während der Führung leider kaum im Detail anschauen konnten.

Am Ende der Führung durften wir noch Sir Grunzelot und Makita kennenlernen. Das waren zwei sehr süße Schweine, deren Schicksal jedoch eher bedrückend war: Am Montag der nächsten Woche sollten sie geschlachtet und zu Schnitzel verarbeitet werden. Natürlich wollten wir als tierschutzinteressierte FÖJ-Gruppe versuchen, die beiden zu retten, setzten uns zum Brainstorming zusammen und versuchten, mit ihrem Besitzer in den Dialog zu kommen. Bei dem Gespräch wurde jedoch klar, dass unsere Mühe vergebens war, und zum Zeitpunkt meines Schreibens sind die beiden bereits an einem schöneren Ort. 

 

Dieses etwas zu reale Beispiel führte uns gleich näher an unsere Seminarthemen heran. Damit die Bildung auf unseren Seminaren neben Spaß und Freundschaften knüpfen nicht zu kurz kommt, hatten wir jeden Tag mehrere Stunden Seminargruppenzeit. In diesen haben wir uns im Detail mit verschiedenen Themen auseinandergesetzt: als Überthema wurde beim letzten Seminar „Konsum und Lebensstile“ festgelegt. Unsere Vorbereitungsgruppe ließ uns diverse spannende Methoden nutzen: Durch Stimmungsbarometer, wo wir uns je nach Zustimmung zu kontroversen Thesen im Raum verteilten, offene Diskussionen zur Definition von Veganismus oder inwiefern Militanz der Tierschutzbewegung schadet, und Puzzles zum Thema CO2-Emissionen von Lebensmitteln wurde es keine Minute langweilig. Auch thematisiert wurden (Ultra-)Fast Fashion, Nachhaltigkeitszertifikate und wie verlässlich sie sind und aktuelle Konsumtrends – dazu haben wir als kreative Aufgabe zwischendurch uns eigene Produktideen einfallen lassen, welche diese Trends repräsentieren sollten. 

 

Wenn wir nach den Seminarstunden dann doch mal ermüdet waren, brauchten wir natürlich auch Möglichkeiten, uns Energie wiederzuholen. Was eignet sich da besser als zwei (am Anfang gruselig kompliziert aussehende) Tänze? Richtig gelesen, es gibt FÖJ-Tänze. Morgens, mittags und abends konnte man die Lieder hören, solange bis auch die Neulinge jeden Schritt fehlerfrei mitmachen konnten. Am Donnerstagabend haben dann Anna, Morgaine und ich entschieden, dass zwei Tänze uns nicht ausreichten: wir alle hatten schonmal eine Art türkischen Volkstanz getanzt, dessen genaue Schritte wir zunächst rekonstruieren mussten. Nach ein paar Runden Übung waren wir aber schon so weit, es den anderen unserer Gruppe präsentieren zu können, und wir entschlossen uns kurzerhand dazu, ihn zu einem inoffiziellen dritten FÖJ-Tanz zu machen. 

(Und tatsächlich hat uns das Tanzen als Gruppe so viel Spaß gemacht, dass wir bei der Abreise am Bahnhof mit einer Bluetooth-Box und keinerlei Schamgefühl den am Gleis wartenden Passagieren eine letzte Performance darboten. Wir sind uns sicher, ihr Tag wurde dadurch nur versüßt.) 

 

Abends fanden viele von uns Zeit zum Sticken, Stricken, Häkeln und allerlei anderen Methoden zum Upcyclen, Verschönern oder Selbermachen von Kleidung. Mindestens genauso viel Freizeit wurde jedoch auch mit dem Spielen von „Werwolf“ verbracht. Dabei waren uns die Grundregeln aber irgendwann nicht mehr lustig genug und so überlegten wir uns für jede Runde ein Setting (bspw. der Hamburger Hauptbahnhof oder ein Altenheim) und Charaktere, die wir zum Leben erweckten (und wieder umbrachten…). Dadurch liefen diese Runden teilweise bis tief in die Nacht, und trotz der zunehmenden Müdigkeit waren es ein paar der lustigsten Stunden des Seminars. 

 

Einen Abend gab es jedoch noch ein letztes absolutes Highlight:  Wir teilten uns in Kochgruppen auf, um ein Drei-Gänge-Menü zu kreieren, und das allein wäre natürlich nicht genug für einen perfekten Abend. Nein, das eigentlich Highlight war das Krimi-Dinner, was den ganzen Abend füllen würde. Wir waren zu viele, als dass jeder einen eigenen Charakter spielen könnte, und so bildeten wir einfach Zweier- bis Dreierteams für jeweils eine Rolle. Für meinen Partner Eli und mich war es ein besonders cooler Abend, denn uns wurde die Rolle der Mörderin Bonnie zugeteilt und wir durften unsere Mitspielenden von Anfang bis Ende belügen. (Spoiler: wir waren erfolgreich!) 

 

Die Tage vergingen wie im Flug. Viel zu schnell war diese einmalige Woche vorbei und die Gelbe Gruppe musste sich vom artefact und voneinander verabschieden. Mit vielen neuen Freundschaften, einmaligen Erinnerungen und etwas weniger Verspätung als auf der Hinfahrt ging es nach Hause und für Anna und mich zurück in den Stiftungsalltag, von dem ihr auch bald wieder erfahren werdet!

(Lorenz wurde an dieser Stelle übrigens nicht vergessen. Er hat sich lediglich bereits am Donnerstag von uns verabschiedet und aufgemacht zur Bundesdelegiertenkonferenz, denn er wurde, wie in seinem Seminarblogeintrag erwähnt, zum FÖJ-Bundessprechi gewählt. Als solcher hat er mittlerweile ziemlich viele Sonderaufgaben und eigene Abenteuer abseits der Stiftung, von denen er euch, liebe Leserschaft, eines sicherlich unfernen Tages berichten wird; meine Erzählungen enden jedoch an dieser Stelle.) 

 

Wie immer, werte Leserschaft: Gehabt euch wohl und freut euch auf die Nacherzählungen der Abenteuer, die wir erlebten, kaum dass wir wieder in der Stiftung ankamen. 

Bis zum baldigen nächsten Schreiben! 

- Kira

 

 

Haiku der Woche: 

 

Gelbe Gruppe lacht 

Kennenlernen - Abschiedstanz

Freundschaften gestrickt