Konsequent, planvoll, zukunftsweisend und vor allem naturschutzverträglich stellt sich die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein dem Problem der massiven Ausbreitung des Jakobs-Kreuzkrauts (JKK) hier im Norden. Dabei handelt sie gemäß der vom Land Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit vielen betroffenen Nutzergruppen erarbeiteten Strategie: „Umgang mit dem Jakobs-Kreuzkraut „Meiden – Dulden – Bekämpfen“. Als erste Organisation landes- und bundesweit hat die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein vor gut zwei Jahren das „Kompetenzzentrum Jakobs-Kreuzkraut“ eingerichtet und eine großangelegte, ökologisch maßgeschneiderte Kampagne gegen die gelb-blühende, heimische Wildpflanze gestartet.

Schon seit vielen Jahren arbeitet die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein aktiv an der naturschutzverträglichen Eindämmung des Jakobs-Kreuzkrauts. Unterstützt wird sie bei diesem Mammut-Vorhaben von ihren über 1.200 Pächtern im ganzen Land. Diese Landwirte mähen und mulchen ihre Wiesen und Weiden sowohl flächig, in weiten Teilen des Landes wird aber auch nur ein Randstreifen bearbeitet. Überall dort, wo viele verschiedene Wildpflanzen und –gräser wachsen und auch seltene Frosch-Arten, wie beispielsweise Laubfrosch, Rotbauchunke und Wechselkröte Zuhause sind, wird mit Augenmaß und fast schon Millimeter-Arbeit vorgegangen.  „Es ist wirklich wichtig, dass wir auf diesen Flächen ökologisch maßgeschneidert vorgehen, sonst vernichten wir nicht nur das Jakobs-Kreuzkraut, sondern auch die Naturschutzarbeit der vergangenen zehn Jahre“, betont Hauke Drews, Biologe und Frosch-Experte bei der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Mit etwa 30 cm hoch eingestelltem Mähwerk, dem sogenannten Messerbalken, ist diese Millimeter-Mäh-Arbeit möglich. Das schützt die Frösche und kappt trotzdem die gelben Blüten des Jakobs-Kreuzkrauts.

Das alles zusammen genommen erfordert von Juni bis weit in den Herbst hinein viel Arbeit. Vor und während dieser Zeit steht die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein in engem Dialog mit ihren Pächtern und hält sie durch ein jährliches Rundschreiben zu Beginn der jeweiligen Saison auf dem Laufenden. Darin wird die JKK-Problematik dargestellt, die Zunahme der JKK-Bestände thematisiert und Empfehlungen für den situationsangepassten Umgang mit Einzelpflanzen, kleineren und größeren JKK-Beständen gegeben. Überdies enthält das Pächteranschreiben Hinweise auf Entsorgungsmöglichkeiten und Informationen zu den Entsorgungskosten in ausgewählten Betrieben.

Wie gefährlich ist Jakobs-Kreuzkraut?

Von der gelb-blühenden, heimischen Wildpflanze können unter besonderen Umständen Gefahren für die menschliche Gesundheit ausgehen. Das hat die Untersuchung von Sommerhonigen aus Schleswig-Holstein bereits vor drei Jahren (2014) gezeigt. So wurden in einzelnen Proben erhöhte Werte der JKK-Giftstoffe, die sogenannten Pyrrolizidin-Alkaloide (PA), nachgewiesen, die potentiell leberschädigend wirken.

Nach derzeitigem Wissen kommen im Jakobs-Kreuzkraut in etwa 28 verschiedene PA vor. Die Pflanzen bilden diese Bitterstoffe als Fraß-Schutz. Die PA allein sind noch nicht giftig, erst durch ihre Verstoffwechslung werden in der Leber giftige Zwischenprodukte gebildet. Diese können bei einigen Tieren und auch beim Menschen bei regelmäßiger Aufnahme, beispielsweise in Honig oder Kräutertee, zu Lebererkrankungen und langfristig sogar zu Leberschäden (Leberzirrhose) führen. Akute Vergiftungen des Menschen durch JKK sind allerdings praktisch ausgeschlossen.

Sofort-Maßnahmen und langfristiger Wissens-Gewinn

Erfolgsversprechend kann im Umgang mit Jakobs-Kreuzkraut nur eine Maßnahmen-Bündelung sein. Deshalb setzt das JKK-Kompetenzteam auf eine zweigleisige Strategie: zum einen sollen kurzfristige Akut-Maßnahmen zur naturschutzverträglichen Eindämmung der gelben Wildpflanze beitragen. Zum anderen soll das Phänomen „Jakobs-Kreuzkraut“ über mehrere Jahre systematisch erforscht werden.

Zu den Akut-Maßnahmen gehört beispielsweise die Mahd vor der ersten Blüte des Jakobs-Kreuzkrauts, die sogenannte „Imker-Variante“. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und ihre Pächter werden dann aktiv, wenn Imker aufgrund des großen JKK-Vorkommens im Umfeld ihrer Bienenstände nicht mehr bedenkenlos unbelasteten Sommerhonig ernten können. Auch die Randstreifen-Mahd, kurz vor der Samenreife, gehört zu den kurzfristigen Eingriffs-Möglichkeiten. Dabei wird ein Randstreifen von 50 Metern gemäht, der das Aussamen des Jakobs-Kreuzkrauts auf benachbarte Flächen verhindern soll, da die Flugsamen (ähnlich wie beim Löwenzahn) nicht weiter als 10 Meter fliegen. Des Weiteren drehen die Mäh-Maschinen ihre Runden, sobald die Tiergesundheit gefährdet ist.

Um die richtigen Antworten auf die vielen Fragen im Zusammenhang mit der heimischen Wildpflanze, dem Jakobs-Kreuzkraut, zu liefern, braucht es viele verschiedene Forschungsprojekte. Dazu gehört, unter anderem das Forschungsprojekt „Methoden der Zukunft“, das die verschiedenen mechanischen Maßnahmen zur Eindämmung von JKK über fünf Jahre lang untersucht.

Auch die jährliche standardisierte Sommerhonig-Untersuchung auf JKK-Giftstoffe, die sogenannten Pyrrolizdin-Alkaloide (PA), die Untersuchung zur Tiergesundheit, die Erforschung des Erfolgs von natürlichen Fraß-Feinden des JKK und viele andere Forschungsvorhaben werden im JKK-Kompetenzzentrum gebündelt, koordiniert und fachlich begleitet.

Überdies hat das JKK-Expertenteam der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein Dr. Aiko Huckauf, Janna Ruge und Juliane Kelm, der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein alle bundes- und europaweit vorliegenden Erkenntnisse im Blick, wertet sie aus und bindet sie in die eigene Arbeit mit ein.

Expertenteam und Kooperationen

Als Leiter des Kompetenzzentrums wurde mit dem Diplom-Chemiker und Umweltmanager Dr. Aiko Huckauf ein ausgewiesener Fachmann verpflichtet, der die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein schon Jahre zuvor im Umgang mit JKK beraten hat. Huckauf hat verschiedene Kooperationen mit Wissenschaftlern der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), der Tiermedizinischen Hochschule Hannover (TiHO), dem Institut für Bienenkunde Celle (LAVES) sowie dem Landesverband Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker und örtlichen Imkervereinen geschlossen. Unterstützt wird er von den beiden Mitarbeiterinnen im JKK-Kompetenzzentrum Janna Ruge und Juliane Kelm.

Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein befindet sich über die vielen Kooperationen hinaus in engem Dialog mit dem Landesnaturschutzbeauftragten, dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) und dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR).

Imker-Telefon

Das Imker-Telefon, 0431/210 90 799, wird vom Leiter des JKK-Kompetenzzentrums, Dr. Aiko Huckauf und seiner Mitarbeiterin, Janna Ruge, bedient und ist seit gut drei Jahren fester Bestandteil der Jakobs-Kreuzkraut-Strategie der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Ursprünglich als Hotline initiiert, um besorgten Imkern kompetente Ratschläge und Unterstützung im Umgang mit den erhöhten JKK-Giftstoffen im heimischen Sommerhonig anzubieten, hat es sich schnell zur zentralen und fachkompetenten Beratungsstelle in ganz Schleswig-Holstein und auch über die Landesgrenzen hinaus etabliert.

Ansprechpartner

Aiko Huckauf
Tel. : 0431 210 90 799
E-Mail: aiko.huckauf@stiftungsland.de

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