Jedes Jahr im Sommer ist sie wieder da – die große Sorge der Imker in Schleswig-Holstein um ihren Sommerhonig. Vor zwei Jahren waren erstmals vereinzelt erhöhte Werte des im Jakobs-Kreuzkraut (JKK) enthaltenen Giftstoffs, den Pyrrolizidin-Alkaloiden (PA), im heimischen Sommerhonig nachgewiesen worden. Das kann unter bestimmten Umständen gesundheitliche Risiken für den Menschen bergen.

Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein bietet den Imkern im Land deshalb größtmögliche Unterstützung an und hat in enger Kooperation mit dem Landesverband Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker e. V., Dr. Werner von der Ohe vom LAVES-Institut für Bienenkunde Celle
und dem Kieler Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) eine der bundesweit ersten Sommerhonig-Untersuchungen auf JKK-Giftstoffe initiiert.

Unter dem Motto „Blüten für Bienen“ wird seit 2014 (Vorstudie „Greening für Bienen“) ermittelt, ob der Sommerhonig PA-Belastungen aus dem Jakobs-Kreuzkraut und anderer Pflanzen enthält, wie hoch die PA-Belastung ist, wo die Honigbienen ihren Nektar sammeln, ob es alternative Pflanzen im Umfeld des Bienenstandes gibt, wann die Imker den Sommerhonig geschleudert haben und welche imkerischen Techniken sie angewendet haben.

Ziel des Projekts ist es, einen Handlungsleitfaden zu erstellen, der den Imkern in Schleswig-Holstein ein bedenkenloses „Imkern mit Jakobs-Kreuzkraut“ erlaubt. Teil des Projekts ist auch die Kostenübernahme der umfangreichen Honig-Analyse für die teilnehmenden rund 300 Imker. Pro Probe sind das in etwa 120 Euro.

Ergebnisse 2016:


Insgesamt wurden 285 Sommerhonige (von 244 Imkern) aus ganz Schleswig-Holstein auf JKK-Giftstoffe (PA) untersucht.
Keine PAs: in 70 von 288 Proben (25%), wurden gar keine PA nachgewiesen;
PA: in 215 von 288 Proben (75%) wurden PA nachgewiesen; die sich wie folgt verteilen;

PA über dem Orientierungswert (140 µg PAs/kg): 52 Proben (18 %) lagen mit Werten von 145 bis 7381 µg/kg (und damit erstmals zum Teil sehr deutlich) über diesem Orientierungswert. Den betroffenen Imkern wurde empfohlen, die belasteten Honige nicht zu vermarkten.

PA unter dem Orientierungswert (140 µg PAs/kg): 233 Proben (82%) Proben lag der PA-Gehalt unter dem Orientierungswert des schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministerium von 140 µg PA/kg Honig

Ergebnisse 2015:

Insgesamt wurden 194 Sommerhonige (von 150 Imkern) aus ganz Schleswig-Holstein auf JKK-Giftstoffe (PA) untersucht.

Keine PAs: in 132 von 194 Proben (68 %) wurden gar keine PA nachgewiesen;
PAs: in 62 von 194 Proben (32%) wurden PAs nachgewiesen, die sich wie         folgt verteilen:  

PA über dem Orientierungswert (140 µg PAs/kg): Lediglich 6 Proben (3%) lagen mit Werten von 161 bis 463 µg/kg über diesem Orientierungswert  des schleswig-holsteinischem Landwirtschaftsministerium von 140 µg/kg.

PA unter dem Orientierungswert (140 µg PAs/kg):
188 Sommerhonige enthielten PA-Gehalte, die unter dem Orientierungswert des schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministerium von 140 µg PAs/kg Honig lagen.

Ergebnisse 2014:

Insgesamt wurden 86 Sommerhonige (77 Imker) aus ganz Schleswig-Holstein auf JKK-Giftstoffe (PAs) untersucht.

Keine PAs: in 40 von 86 Proben (47%) wurden gar keine PAs nachgewiesen;
PAs: in 46 von 86 Proben wurden PAs nachgewiesen, die sich wie folgt verteilen:

PA über dem Orientierungswert (140 µg/kg): lediglich 2 Proben (2%) lagen mit Werten von 560 und mit 253 µg/kg über dem Orientierungswert des schleswig-holsteinischem Landwirtschaftsministerium von 140 µg/kg.

PA unter dem Orientierungswert (140 µg/kg): 84 Proben (98%) enthielten PA-Gehalte, die in den meisten Fällen sehr deutlich unter dem Orientierungswert des schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministerium von 140 µg/kg Honig lagen.

Zusammenfassung:

In den Jahren 2014 und 2015 waren die untersuchten Sommerhonige weitgehend unbelastet und die PA-Gehalte lagen bis auf wenige Ausnahmen deutlich unter dem derzeit gültigen Orientierungswert.
In 2016 ist der Anteil der Sommerhonige in denen PA´s nachgewiesen wurden  deutlich größer (Anstieg der belasteten Sommerhonige von 2% und 3% in den Vorjahren auf 19% in diesem Jahr). Auch die PA-Werte in dem heimischen Sommerhonig sind deutlich höher ausgefallen. Deutlich größer ist aber auch die PA-Belastung, die aus anderen Pflanzen wie beispielsweise Borretsch oder Wasserdost stammen.

Erklärungen/Ursachen:

Das sommerliche „Ernte-Angebot“ für die Honigbienen war im Jahr 2016 aufgrund der Kombination aus tiefen Temperaturen und heftigen Regenfällen sehr schlecht. So hat beispielsweise die Lindenblüte frühzeitig die Nektarproduktion eingestellt. Zusätzlich wurde Nektar und Honigtau durch den immer wieder auftretenden Starkregen von den Pflanzen gewaschen. Und: Die zweite wichtige Erntepflanze der Bienen, der Weißklee, ist quasi ausgefallen.

Infolgedessen fiel die Sommerhonigernte 2016 in Schleswig-Holstein sehr mager aus. Sie betrug mit durchschnittlich vier Kilogramm pro Volk nur etwa ein Viertel der sonst üblichen Menge von rund 20 Kilogramm. Die PA-Belastung bei in etwa gleichbleibenden JKK-Mengen in der Landschaft fiel deutlich höher aus, weil sich die PA nicht auf rund 20 kg pro Volk verteilten, sondern auf lediglich vier kg pro Volk. Der Verdünnungseffekt fiel also deutlich geringer aus.

Für ausführliche Informationen, lesen Sie auch den Fachartikel aus „Die neuen Bienenzucht“: 
Das Pilotprojekt "Blüten für Bienen".

Weitere Informationen zum Projekt "Blüten für Bienen" finden Sie in unserem Download-Bereich.

Ansprechpartner

Aiko Huckauf
Tel. : 0431 210 90 799
E-Mail: aiko.huckauf@stiftungsland.de

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