Jedes Jahr im Sommer ist sie wieder da – die große Sorge der Imker in Schleswig-Holstein um ihren Sommerhonig. Vor zwei Jahren waren erstmals vereinzelt erhöhte Werte des im Jakobs-Kreuzkraut (JKK) enthaltenen Giftstoffs, den Pyrrolizidin-Alkaloiden (PA), im heimischen Sommerhonig nachgewiesen worden. Das kann unter bestimmten Umständen gesundheitliche Risiken für den Menschen bergen.

Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein bietet den Imkern im Land deshalb größtmögliche Unterstützung an und hat in enger Kooperation mit dem Landesverband Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker e. V., Dr. Werner von der Ohe vom LAVES-Institut für Bienenkunde Celle
und dem Kieler Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) eine der bundesweit ersten Sommerhonig-Untersuchungen auf JKK-Giftstoffe initiiert.

Unter dem Motto „Blüten für Bienen“ wird seit 2014 (Vorstudie „Greening für Bienen“) ermittelt, ob der Sommerhonig PA-Belastungen aus dem Jakobs-Kreuzkraut und anderer Pflanzen enthält, wie hoch die PA-Belastung ist, wo die Honigbienen ihren Nektar sammeln, ob es alternative Pflanzen im Umfeld des Bienenstandes gibt, wann die Imker den Sommerhonig geschleudert haben und welche imkerischen Techniken sie angewendet haben.

Ziel des Projekts ist es, einen Handlungsleitfaden zu erstellen, der den Imkern in Schleswig-Holstein ein bedenkenloses „Imkern mit Jakobs-Kreuzkraut“ erlaubt. Teil des Projekts ist auch die Kostenübernahme der umfangreichen Honig-Analyse für die teilnehmenden rund 300 Imker. Pro Probe sind das in etwa 120 Euro.

Ergebnisse 2017:

Insgesamt wurden 300 Sommerhonig-Proben von 241 Imkern aus ganz Schleswig-Holstein auf ihre PA-Belastung untersucht.

Keine PAs: In 124 von 300 Proben (41%) wurden gar keine PAs nachgewiesen.  

PAs: In 176 von 300 Proben (59 %) wurden PAs nachgewiesen. Die Proben verteilen sich wie folgt:

PA-Gehalt über dem Orientierungswert (140 µg/kg):
24 Proben (8%) lagen mit Werten von 142 µg/kg bis 1066 µg/kg über dem aktuell gültigen Orientierungswert, der auf Grundlage der Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewerung (BfR) berechnet wurde. Allerdings enthält die am höchsten belastete Probe mit 1066 µg/kg keine PAs aus dem Jakobs-Kreuzkraut, sondern ausschließlich aus dem Wasserdost. Die am höchsten belastete Probe mit Jakobs-Kreuzkraut-PAs liegt bei 703 µg/kg.

PA-Gehalt unter dem Orientierungswert (140 µg/kg):
In 295 Proben (98%) lag der PA-Gehalt unter dem Orientierungswert von 140 µg/kg.

Ergebnisse 2016:

Insgesamt wurden 285 Sommerhonige von 244 Imkern aus ganz Schleswig-Holstein auf PA-Belastungen untersucht.

Keine PAs: in 70 von 285 Proben (25%), wurden gar keine PA nachgewiesen;

PAs: in 215 von 285 Proben (75%) wurden PA nachgewiesen; die sich wie folgt verteilen:
    
PAs über dem Orientierungswert (140 µg PAs/kg):
52 Proben (18 %) lagen mit Werten von 145 bis 7381 µg/kg (und damit erstmals zum Teil sehr deutlich) über dem aktuell gültigen Orientierungswert, der auf Grundlage der Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) berechnet wurde. Den betroffenen Imkern wurde empfohlen, die belasteten Honige nicht zu vermarkten.

PAs unter dem Orientierungswert (140 µg PAs/kg):
In 233 Proben (82%) Proben lag der PA-Gehalt unter dem Orientierungswert von 140 µg PA/kg Honig.

Ergebnisse 2015:

Insgesamt wurden 194 Sommerhonige von 150 Imkern aus ganz Schleswig-Holstein auf PA-Belastung untersucht.

Keine PAs: in 132 von 194 Proben (68 %) wurden gar keine PA nachgewiesen;

PAs: in 62 von 194 Proben (32%) wurden PAs nachgewiesen, die sich wie folgt verteilen: 

PA über dem Orientierungswert (140 µg PAs/kg):
Lediglich 6 Proben (3%) lagen mit Werten von 161 bis 463 µg/kg über dem aktuell gültigen Orientierungswert, der auf Grundlage der Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) berechnet wurde.

PA unter dem Orientierungswert (140 µg PAs/kg):
188 Sommerhonige enthielten PA-Gehalte, die unter dem Orientierungswert von 140 µg PAs/kg Honig lagen.

Ergebnisse 2014:

Insgesamt wurden 86 Sommerhonige von 77 Imkern aus ganz Schleswig-Holstein auf PA-Belastung untersucht.

Keine PAs: in 40 von 86 Proben (47%) wurden gar keine PAs nachgewiesen;

PAs: in 46 von 86 Proben wurden PAs nachgewiesen, die sich wie folgt verteilen:

PAs über dem Orientierungswert (140 µg/kg):

Lediglich 2 Proben (2%) lagen mit Werten von 560 und mit 253 µg/kg lagen über dem aktuell gültigen Orientierungswert, der auf Grundlage
der Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) berechnet wurde.

PAs unter dem Orientierungswert (140 µg/kg):
84 Proben (98%) enthielten PA-Gehalte, die in den meisten Fällen
sehr deutlich unter dem Orientierungswert von 140 µg/kg Honig lagen.

Zusammenfassung:

In den Jahren 2014 und 2015 waren die untersuchten Sommerhonige weitgehend unbelastet und die PA-Gehalte lagen bis auf wenige Ausnahmen deutlich unter dem derzeit gültigen Orientierungswert. In 2016 ist der Anteil der Sommerhonige in denen PAs nachgewiesen wurden deutlich größer. Die Anzahl der belasteten Sommerhonige stieg von 2 % in 2014 zunächst nur geringfügig auf 3 % in 2015 an. Im Jahr 2016 lag der Anteil belasteter Sommerhonige dann bei 18 %.

In 2017 fiel die Belastung des heimischen Sommerhonigs wieder deutlich geringer aus. Der Anteil der belasteten, heimischen Sommerhonige lag mit 8 % in diesem Jahr nicht einmal halb so hoch wie im Vorjahr. Die Ergebnisse bestätigen also, dass es sich im vergangenen Jahr, 2016, um ein absolutes Ausnahmejahr handelt.

Erklärungen/Ursachen:

Die Kombination aus viel zu niedrigen Temperaturen und regelmäßigen Starkregen-Ereignissen haben dazu geführt, dass die Linde als wichtigste Nektar-Pflanze praktisch ausgefallen ist, und die Honigebienen notgedrungen auf andere Pflanzen ausweichen mussten – darunter auch PA-haltige wie das Jakobs-Kreuzkraut. Das war in 2017 anders: durch die gegenüber 2016 leicht höheren Sommertemperaturen stand den Honigbienen in den meisten Landesteilen dieses Jahr Lindentracht zur Verfürung, so dass die PA-Belastungen niedriger als im Vorjahr waren.

Darüber hinaus zeigt sich ein positiver Effekt, wenn die Imker bei der Standortwahl von vorneherein darauf achten, dass sich keine Massenvorkommen von PA-haltigen Pflanzen in unmittelbarer Nähe des Bienenstandes befinden, dafür aber ein großes blütenbuntes Angebot attraktiver Honigbienen-Pflanzen.

Auch die Vorverlegung des Erntetermins, des sogenannten Schleudertermins, bietet eine Möglichkeit, um speziell den Eintrag von PAs aus dem Jakobs-Kreuzkraut, das erst im Juli blüht, zu verhindern. Damit lässt sich auch eine weitere Risikopflanze umgehen: der Wasserdost. Ausschließlich aus dieser Pflanze stammen die PA in dem am höchsten belasteten Sommerhonig dieses Jahres – mit einem Gehalt von immerhin 1066 µg/kg. Die am höchsten belastete Probe mit Jakobs-Kreuzkraut-PAs liegt bei 703 µg/kg.


Für ausführliche Informationen, lesen Sie auch den Fachartikel aus „Die neuen Bienenzucht“: 
Das Pilotprojekt "Blüten für Bienen".

Weitere Informationen zum Projekt "Blüten für Bienen" finden Sie in unserem Download-Bereich.

Ansprechpartner

Aiko Huckauf
Tel. : 0431 210 90 799
E-Mail: aiko.huckauf@stiftungsland.de

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