Hier kann man weit gucken! Vier Kilometer in Nord-Südrichtung und vier Kilometer in Ost-Westrichtung erstreckt sich das Wilde Moor bei Schwabstedt an der Treene. Weitgehend baumfrei breitet sich der Hochmoorkern vor dem Besucher der gut getarnten Beobachtungshütte aus. Er lässt erahnen, wie wichtig diese großen, ungestörten Rückzugsgebiete für unsere Pflanzen- und Tierwelt sind.

Moorkultivierung

Schon im 19. Jahrhundert begann der Mensch, das Wilde Moor zu entwässern, bewirtschaften und abzutorfen. Große Entwässerungsgräben wurden in den 1930er Jahren vom Reichsarbeitsdienst ausgehoben. Torf diente als Brennmaterial für die umliegenden Höfe, die Moorrandflächen wurden zu Viehweiden. Moorentwässerung bleibt nicht ohne Folgen: Der Torfboden beginnt durch den Wasserentzug zu sacken, dort wo Luft an den Torf kommt, beginnt die mikrobielle Zersetzung und Co2 gelangt in die Atmosphäre. Rund zwei Meter ist das Wilde Moor zusammengesackt. Moorschutz ist also auch Klimaschutz.

Rückzug der Landwirtschaft

Anfang der 1980er Jahre zog sich die Landwirtschaft aus dem fast 800 Hektar großen Moor zurück, immer mehr Flächen blieben ungenutzt – die Moorrenaturierung bekam ihre Chance. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein konnte 1989 die ersten rund 30 Hektar ankaufen. Eine Lenkungsgruppe aus haupt- und ehrenamtlichem Naturschutz stellte Pläne zum Schutz des Moores auf und die ersten Maßnahmen wurden umgesetzt.

Die Renaturierung beginnt

Der erste große Durchbruch bei der Renaturierung des Wilden Moores gelang mit dem Verschluss des in Ost-Westrichtung verlaufenden Hauptentwässerungsgrabens. Der Torfboden konnte wieder mehr Wasser aufsaugen, die Mooroberfläche hob sich um mehrere Dezimeter wieder an.

Inzwischen hat die Stiftung mehr als 586 Hektar im Wilden Moor gesichert. Bei der letzten großen Renaturierung der Stiftung Naturschutz 2015 waren vier Bagger gleichzeitig vor Ort und bauten 10.293 Meter Torfdämme. Dadurch wurden zwei große (100 und 58 Hektar) und vier kleinere Moorpolder geschaffen, deren Wasserstände so reguliert werden können, dass die flächige Wiederansiedlung und Ausbreitung von Torfmoosen optimal gefördert wird. Torfmoose lassen das Moor nun langsam wieder wachsen. Die Gelder für die Moorschutz-Maßnahmen kamen zu 75 Prozent von der EU aus Mitteln des Programms „Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“, die restlichen 25 Prozent kamen vom Land, aus einem Topf, in den Ausgleichszahlungen von Bauträgern für den Flächenverbrauch fließen.

Moor wird zum Erlebnis

Zusammen mit den Baumaßnahmen zum Schutz des Hochmoores gab die Stiftung Naturschutz auch die Erneuerung des Wegenetzes in Auftrag. Besucher können nun wieder trockenen Fußes das Moor durchqueren. Auch der Eider-Treene-Sorge-Radweg führt direkt durchs Moor. Ein Aussichtsturm, Picknickplätze und ein Moorlehrpfad runden das Besucherangebot im Wilden Moor ab.

Ein Faltblatt mit den Wanderwegen im Wilden Moor finden Sie hier.

Bunte Artenvielfalt

Während zur Treene hin der Hochmoorkern in artenreiche Feuchtwiesen übergeht, dominieren am Geestrand Hochstaudenfluren und Gebüsche.

Auf der weiten Hochmoorebene sind sie alle da, die typischen Moorpflanzen. Heidekräuter, Krähenbeere, Moosbeere und Wollgras, der fleischfressende Sonnentau und die Moorlilie. Auch die Vogelwelt ist mit 51 nachgewiesenen Brutvogelarten besonders bunt, allen voran Kranich und Bekassine. Gleichzeitig haben Moorfrosch und Kreuzotter hier einen ihrer letzten Rückzugsorte, aus der intensiven Agrarlandschaft in der Umgebung sind sie längst verschwunden.

Geschütze Wildnis

Das Wilde Moor wurde 1992 zum 631 Hektar großen Naturschutzgebiet und gehört zum europäischen Netzwerk von Schutzgebieten Natura 2000.

Mehr zu Mooren finden Sie auch in der Broschüre des Landes:
Moore in Schleswig-Holstein, Geschichte – Bedeutung - Schutz

Das können Sie tun

•    Kaufen Sie der Umwelt zu Liebe nur „torffreie“ Blumen- und Gartenerde. Noch immer werden in Deutschland, aber mit steigender Tendenz auch in den Baltischen Ländern und Russland Moore zerstört, um Torf abzubauen. Achten Sie daher auf „torffreie“ Erden und lassen Sie sich nicht durch Angaben wie „torfreduziert“ oder „torfarm“ in die Irre führen. Übrigens, auch sogenannte Bioerden können große Mengen Torf enthalten!

•    Setzen Sie sich für den Schutz der Moore ein und unterstützen Sie unsere Moorschutzprojekte! Mit einer Spende über 120 Euro können wir 100 Quadratmeter Moor sichern, noch einmal 40 Euro kostet die dauerhafte Renaturierung eines entwässerten Moores.

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