Verjüngungskur für Lübecker Obstwiesen

27.1.2017 - Stiftung Grönauer Heide finanziert Pflegeschnitt von kulturhistorisch bedeutsamer Obstwiese in Lübeck-Dänischburg


Temperaturen um 0 °C: Beste Voraussetzungen für den Obstbaumschnitt. Ingmar Kruckelmann, auf die Pflege landschaftsprägender Obst-Hochstämme spezialisiert, ist mit Astschere und Säge in die alten Bäume geklettert. Die 1,2 Hektar große Streuobstwiese ist im Besitz der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, die das Gelände dem Verein Hanse-Obst e.V. zur Betreuung überlassen hat.

„Obstwiesen sind kulturelle Zeugen unserer Landschaftsgeschichte, wertvolle Lebensräume für heimische Pflanzen und Tiere. Sie erfreuen uns Menschen mit ihren Blüten und im Herbst natürlich mit ihren leckeren Früchten“, erklärt Reinhard Degener, Stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Grönauer Heide und ergänzt: „Das Kuratorium war gerne bereit, den Erhalt dieses wunderbaren Stück des Lübecker Naturerbes finanziell zu unterstützen.“ Mit insgesamt 7.200 Euro macht die Stiftung für das Naturerbe in Lübeck die Pflege von drei Streuobstweisen, hier in Dänischburg sowie an der Hohenstiege und in Waldhusen möglich.

Für die gut 80-jährigen Obstbaumveteranen ist der Besuch von Obstbaumpfleger Kruckelmann ein Glücksfall. Seit vielen Jahren sind sie nicht mehr beim „Friseur“ gewesen. Ihr Leben zu verlängern und das wertvolle Biotop Obstbaum zu erhalten, ist Ziel des Pflegeschnitts. Die Kronen werden so behutsam ausgelichtet, das Bruthöhlen und Astlöcher weitgehend erhalten bleiben. Auch ein gewisser Anteil an Totholz verbleibt im Baum, da Totholz eine besondere Lebensgemeinschaft an holzzersetzenden Organismen beheimatet. Entfernt werden Triebe, die von Krankheiten befallen sind, oder die Obst tragenden Ästen in der Entwicklung stören.

„Mit mehr Licht und Luft in der Krone gehen die Bäume gestärkt aus der Schnittmaßnahme hervor und tragen gesündere Früchte“, ist sich Heinz Egleder vom Verein Hanse-Obst sicher. Ihm liegt die Verjüngung historischer Anlagen durch Pflege und Nachpflanzung regionaler Obstsorten sehr am Herzen. Unterstützt wird der Verein neben der Stiftung Grönauer Heide bei der Pflege der Anlage in Dänischburg auch von den schleswig-holsteinischen Landesforsten als Eigentümerin. Diese Streuobstwiese wird, ebenso wie die beiden anderen seit 2014 vom Verein Hanse-Obst e.V. betreut. Er kümmert sich ehrenamtlich um die Pflege der Anlagen, das Pflanzen neuer Obstbäume sowie das Ernten und Verwerten des Obstes. Darüber hinaus engagieren sich die Mitglieder in der Umweltbildung und verkaufen leckeren „Hanse Apfelsaft“ von Lübecker Ostwiesen. Hervorgegangen ist der Verein aus der 2013 von Lübecker Pomologen, der Behörde für Umwelt- und Natur- und Verbraucherschutz der Hansestadt sowie dem Museums für Natur + Umwelt ins Leben gerufenen Initiative Hanse Obst. „Die Obstwiese Dänischburg im Waldhusener Forst ist eine idealer Baustein im Biotopverbund und ein wichtiger Ort der Essbaren Stadt Lübeck“, freut sich Ingrid Bauer vom Bereich UNV über die gelungene Aktion.

Die Hanse-Obst-Initiative bietet im Jahr 2017 auch für Privatpersonen Kurse zum Obstbaumschnitt an. Termine unter: www.hanse-obst.de

Die Stiftung Grönauer Heide wurde am 1. Februar 2008 von den großen schleswig-holsteinischen Naturschutzverbänden, BUND, NABU und Landesnaturschutzverband, im Zuge des Mediationsverfahrens zum Ausbau des Flughafens Lübeck-Blankensee gegründet. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein wurde als Treuhänderin eingesetzt. Ziel und Zweck der Stiftung ist es, selbst aktiv zum Schutz und zur Entwicklung des Lübecker Naturerbes beizutragen und Dritte bei diesen Aktivitäten zu unterstützen.

Mehr Informationen über die Stiftung finden Sie auf der Internetseite www.groenauer-heide.de.