Teuflische Pflanzaktion

BlütenMeer 2020 erobert Kreis Dithmarschen


Eine wilde Schönheit mehr für den Kreis Dithmarschen: nachdem im vergangenen Jahr die Färberscharte wieder in den Kreis im Westen Schleswig-Holsteins eingezogen ist, kommt jetzt die zweite seltene Wildpflanze in ihre ursprüngliche Heimat zurück: der Gewöhnliche Teufelsabbiss (Succisa Pratensis) wird in der Nähe der Gemeinde Schalkholz ausgepflanzt. Das Projekt „BlütenMeer 2020“ der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein macht gemeinsame Sache mit dem „Bündnis Naturschutz in Dithmarschen e.V.“ und „Bürger in Aktion – für eine lebenswerte Eiderregion e.V.“ 

Viele helfende Hände haben bei dieser Auspflanzaktion mit angepackt und diese lila-leuchtende Art professionell in den Bodengebracht. Auf etwa acht Hektar Weidelandschaft sollen ab jetzt rund 1000 Exemplare des Gewöhnlichen Teufelsabbiss wieder wachsen und sich im besten Fall von alleine in die Landschaft ausbreiten. „Er ist eine typische Geestpflanze, deshalb fühlt er sich hier sehr wohl“, sagt Dr. Christian Dolnik, Projektleiter des „BlütenMeer 2020“ . „Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge lieben ihn sehr.“ Obwohl gerade frisch gepflanzt, kann man die kleinen Blümchen kaum erkennen: „Sie blühen erst im nächsten Jahr“, sagt Dolnik.

Diesen und vielen andere Wildpflanzen, die vom Aussterben bedroht sind, möchte das im Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ geförderte Projekt „BlütenMeer 2020“ der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein helfen. Seit mehr als zwei Jahren arbeitet das siebenköpfige Team um Projektleiter Dr. Christian Dolnik daran, daran den seltenen Wildpflanzen mit schleswig-holsteinischen Wurzeln wieder ein Zuhause im nördlichsten Bundesland zu geben. „Wir wollen mehr Blüten in Schleswig-Holstein, wir wollen mehr Blüten im Land zwischen den Meeren, wir wollen ein BlütenMeer 2020!“, sagt Dolnik.

Der Rückgang der heimischen Wildpflanzen allein in den vergangenen 25 Jahren sei dramatisch, räumt der Biologe und Botaniker ein. Die immer intensivere Landnutzung vertreibe die bunten Wilden und mache es unmöglich aus eigener Kraft zurück zu kehren. Jetzt sollen sie wieder mit Sack und Pack hier einziehen. Ziel des „BlütenMeer 2020“ ist es, in den nächsten vier Jahren auf einer Gesamtfläche von 2500 Hektar – das entspricht in etwa der Größe der nordfriesischen Insel Amrum – die Lebens- und vor allem Überlebensbedingungen für die Wildpflanzen wiederherzustellen.

Eine gängige Methode um artenarme Wiesen und Weiden  aufzuwerten ist die sogenannte Mahdgutübertragung. Dabei werden artenreiche Wildwiesen nach der Samenreife abgemäht und das Mahd-Gut auf den Wiesen ausgebracht, die aufgewertet werden sollen. Je nach Bedarf hilft das Team um Dolnik noch einmal nach: „Dann säen wir Wildgräser und Wildkräuter aus regionalem Saatgut mit ein“, erklärt der Experte.

Eine andere Methode im „BlütenMeer 2020“ ist die Auspflanzung von Jungpflanzen, wie beispielsweise jetzt den „Gewöhnlichen Teufelsabbiss“ im Kreis Dithmarschen. Diese und viele andere werden in der projekteigenen „Arche Gärtnerei“ aufgezogen und aufgeppelt. Wiebke Busch, staatlich geprüfte Landwirtin, Gärtnerin und Leiterin der Arche Gärtnerei kümmert sich mit ihrem Team um die stark bedrohten Pflanzenarten. Die Arbeit für die „bunten Wilden“ fängt beim Samensammeln an, geht über das Großziehen von Arnika, Küchenschelle, Wiesenschlüsselblume, Gewöhnlicher Teufelsabbiss und Co. bis hin zum Auspflanzen. Aus einer Handvoll Pulsatilla-Saat oder der Saat von Rauem Löwenzahn ziehen sie robuste Jungpflanzen unter naturnahen Bedingungen groß. Damit leistet die Archegärtnerei einen großen Beitrag im Projekt „BlütenMeer 2020“ der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.