Sommerhonig ohne JKK-Giftstoffe?

Neues Praxis-Projekt der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein: Imker beteiligen sich an Test mit „Halbzargen“


Noch sind die Blütenkörbchen des Jakobs-Kreuzkrauts fest verschlossen, doch in wenigen Tagen öffnen sich die gelben Blüten der heimischen Wildpflanze. Damit steigt die Sorge der Imker im Land, dass die Bienen die giftige Inhaltsstoffe der Pflanze, die sogenannten Pyrrolidzidin-Alkaloide (PA), in den Sommerhonig eintragen und dieser, wie im vergangen Jahr, hoch belastet sein könnte. Ein neuartiges Forschungsprojekt der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) soll jetzt klären, ob das frühzeitige Schleudern, vor der JKK-Blüte, eine Lösung sein kann.

Normalerweise ist der Sommerhonig in den großen Bienenkästen zu diesem Zeitpunkt noch nicht reif. Nutzt der Imker die deutlich kleineren Holzkästen, die sogenannten Halbzargen, könnte es schneller gehen. Genau das testen die 15 Imker und Imkerinnern aus den Kreisen Ostholstein, Schleswig-Flensburg, Ratzeburg, Rendsburg-Eckernförde, Segeberg und Plön. Ihr Sommerhonig war im vergangenen Jahr sehr hoch belastet. Jetzt haben sie Bienenbeuten mit Halbzargen, also kleineren Modulen, und mit den Standardmodulen, den sogenannten Vollzargen, nebeneinander aufgestellt. Anfang Juli könnten die kleinen Module schon voll sein, so dass der frühe Sommerhonig geschleudert und auf die Giftstoffe aus dem Jakobs-Kreuzkraut untersucht werden kann. Dasselbe passiert Ende Juli / Anfang August dann auch mit dem Sommerhonig aus den Vollzargen. Danach wird klar sein, ob das frühe Schleudern die PA-Belastung des Sommerhonigs verhindern oder zumindest deutlich reduzieren kann. Finanziert wird das Pilot-Projekt vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume mit etwa 3500 Euro.


Im Sommer 2016, wurden in 75 Prozent der 286 untersuchten Sommerhonig-Proben die JKK-Giftstoffe (PA) nachgewiesen. Es handelt sich dabei um eine „Worst-Case“-Untersuchung, da ausschließlich Sommerhonige mit hohem PA-Risiko einbezogen wurden. Von den belasteten Proben hatten nur 18 Prozent den Orientierungswert von 140 Mikrogramm PA pro Kilo Honig überschritten. Dieser Sommerhonig wurde nicht vermarktet. Und: nur ein knappes Drittel des Honigs in ganz Schleswig-Holstein ist überhaupt Sommerhonig. Die Masse produzieren die Honigbienen vorher - ganz ohne Jakobskreuzkraut.