Life-Aurinia: Vortrag Insektensterben

Wie geht das? Insektensterben in einem Land, in dem vier Prozent der Fläche Naturschutzgebiet sind!


Umweltschutz und Naturschutz werden seit Jahren fortlaufend verbessert, dennoch geht das Sterben vieler Tierarten weiter. Besonders betroffen sind Insekten und Vogelarten, die das Offenland bewohnen.

Fast vier Prozent der Gesamtfläche Deutschlands sind Naturschutzgebiete: Dennoch hält der Rückgang vieler Arten an. Professor Dr. Werner Kunz von der Universität Regensburg vertritt die provokante These, dass der gegenwärtig praktizierte Naturschutz nur auf die Bewahrung von Natur und Naturnähe fokussiere. Diese Ausrichtung finde in der breiten Bevölkerung große Zustimmung. Der Erhalt vieler Rote-Listen-Arten erfordere jedoch andere Maßnahmen…

Gleich zu Beginn seines Vortrags formulierte Kunz pointiert: „Wir sind voll von Naturschutzgebieten, aber bei uns sterben die Insekten wie die Fliegen!“ In den vergangenen 100 Jahren habe sich der Tagfalterbestand um 61 Prozent verringert, in der Vogelwelt sei ein Rückgang von 44 Prozent zu verzeichnen.

Gründe für den Artenschwund identifizierte der Biologe in den aufgeräumten Dorf- und Ackerstrukturen, den hygienisch reinen Feldern. Die Defizite liegen für ihn klar auf der Hand: Gerade wärmeliebenden Faltern fehlt es trockenen, stark besonntem offenen Böden. Zudem fehlt es an lichten Wäldern und sandigen, mageren Wiesen. Die Stickstoffdusche von Oben – also der Eintrag von Nährstoffen durch Luft und Regen - tut ihr Übriges.

Provokativ bringt es Kunz auf den Punkt: „Wir haben heute zu viel Grün! Die alte Landwirtschaft hat mit der Entnahme von Brennholz und dem Plaggen des Bodens für Einstreu im Stall den damaligen Artenreichtum befördert. Selbst die biologische Land- und Weidewirtschaft kann ausgestorbene Arten nicht zurückholen!“

Lösungsvorschläge hatte Kunz natürlich auch im Gepäck. Für ihn sei es wichtig, statt eines integrativen Naturschutzes einen segregativen Naturschutz zu fördern: „Will heißen: wir brauchen Sonderflächen für bedrohte Arten – hier die Landwirtschaft, da den Naturschutz. Kleine Lerchenfenster und Blühstreifen reichen da nicht aus.“ Artenschutz müsse sich für den Landwirt lohnen und von der EU prämiert werden.

Klar, dass der Vortrag und die Sich der Dinge von Prof. Kunz, im Anschluss kontrovers diskutiert, Lücken in der Argumentation aufgetan wurden. Dabei wurde deutlich, dass für eine Umkehr des Trends nicht nur neue Methoden im Naturschutz erforderlich sind, sondern viel mehr: Größere Schutzgebiete zur Sicherung von überlebensfähigen Populationen, die Reduzierung der Nährstofffrachten, der Verbund von Lebensräumen (Biotopverbund) und die  Durchgängigkeit der Agrarflächen z.B. durch Biologische Landbewirtschaftung.

Eingeladen zu dem Vortrag hatten Antje Walter, Leiterin des EU-Projektes zur Wiederansiedlung des Golden Scheckenfalters von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, und das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR).

Mehr Informationen? Den Vortrag können Sie hier downloaden.

Hier berichtet der NDR über den Vortrag und die anschließende Exkursion ins Stiftungsland Lütjenholm.