Laub-Lambada gegen November-Blues

Stürmisch, nass, neblig-trüb und b(itte)rrr-kalt – der November hüllt sich in ein dunkles Gewand und gehört deshalb für viele von uns nicht unbedingt zu den Lieblingsmonaten. Die gute Laune wird, ähnlich wie die Blätter am Baum, einfach davon gepustet. Miese Stimmung macht sich breit und die um sich greifende Dunkelheit leistet ihr Übriges. Es kommt uns vor, als sei das üppige Tageslicht nur eine Flause des Sommers gewesen. Doch gerade jetzt sollten wir uns einen kräftigen Ruck geben. Verpassen wir der Trübsal einen Tritt! Ziehen wir den Jackenkragen hoch, die Mütze runter und die Wollsocken in den Gummistiefeln an! Denn: auch der November hat ein paar schöne Seiten. Die zauberhaften Gebiete der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein machen viele Naturschauspiele so hautnah erlebbar, dass uns zumindest warm ums Herz wird.

Blätter-Boogie-Woogie und Laub-Lambada im Stiftungswald 

Schluss mit dem Einheitsgrün – denkt sich der wilde Herbst und öffnet seine Farb-Tuben. Hier ein paar Tupfen schimmerndes Karminrot, dort ein paar Sprenkel Rost-Rot, hier Karamell-Braun und auch eine kleine Schoko-Note darf auf den Kostümen der Blätter nicht fehlen, bevor sie die große Herbstbühne zum letzten großen Tanz der Saison betreten. „Die vielen leuchtend bunten Farben, auch Blatt-Pigmente genannt, entstehen nicht, wie viele von uns glauben, erst im Herbst, sondern sie schlummern sozusagen immer unter dem saftig grünen Anstrich. Fehlt das Sonnenlicht, stellt die Pflanze die Photosynthese ein und das Grün verschwindet“, erklärt Dr. Christian Dolnik, Botaniker und Biologe bei der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Die ersten Novemberfröste und Herbststürme treiben dann das letzte Blatt vom Baum. Die Natur bereitet sich auf ihre Ruhepause vor. Der aufregende Blättertanz ist eine wichtige Überlebensstrategie der Bäume, damit schützen sie sich vor dem lebensbedrohlichen Austrocknen. „Die Bäume drehen quasi den Wasserhahn zu, die Blätter vertrocknen nach und nach und fallen ab“, erklärt Dolnik weiter. Bei den Amerikanern heißt der Herbst deshalb auch „fall“.

Tischlein, deck Dich!

In vielen (Ur)Wäldern der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein bilden sie dann einen dicken, raschelnden Laubteppich. Der klingt beim Darüber-Spazieren nicht nur herrlich, sondern liefert dem Boden viele Nährstoffe. Etwa zwei Tonnen – also so viel wie ein ausgewachsener Elefant auf die Waage bringt – wirft in jedem Herbst ein durchschnittlicher Wald pro Hekar ab. Mehr als genug also, um einige von ihnen in einen neuen, ganz anderen Lebensraum umzusiedeln: den Basteltisch im Kinderzimmer. Wo sie mit Klebe und Stift zu mehr oder weniger  preiswürdigen Kunstwerken weiter verarbeitet werden.

Bleiben sie im Wald zurück, freut es andere kleine Wesen: Springschwänze, Asseln und Käferlarven widmen sich voller Eifer und mit knurrendem Magen dem elefantösen Ausmaß an „Bio-Müll“. Sie zersetzen und zerkleinern Blatt für Blatt, bis zum Schluss der Regenwurm die zerfaserten Blattteilchen frisst und als Dünger wieder ausscheidet. Dieser Kreislauf soll in den Wäldern der Stiftung ausgebaut werden und absolut ungestört ablaufen. Deshalb wird dort kein Baum gefällt, kein Totholz abtransportiert, sondern der Tisch für Kleinstlebewesen, Kriechtiere, Käfer und Co. bleibt reich gedeckt, so dass sie ganz ungestört schlemmen können und ganz nebenbei dabei helfen, dass neues, wertvolles Leben erblühen  kann. Wie zum Beispiel die stängellose Primel. Sie stellt im Stiftungswald Riesewohld in Dithmarschen Rekorde auf. Auch weiß-blühende Buschwind-Röschen fühlen sich gut behütet unter dem Riesewohlder Blätterdach. Schließlich sollen im Stiftungswald Stodthagen bald wieder viele Insekten über den Waldweihern summen und brummen. Specht und  Waldohreule sind im Stiftungswald Rülau zu jeder Jahreszeit lautstark zu hören. Die kleine Haselmaus und nicht zuletzt das Wild tummeln sich dann im Frühjahr wieder gut gelaunt in den Laubwäldern der Stiftung. Deshalb pflanzt die Stiftung auch nur heimische Laubwälder und kein Nadelholz. Das zahlt nämlich nicht auf das Vielfalts-Konto ein.