„Kartoffeltrolle“ fürs Stiftungsland Schafflund

Stiftung Naturschutz setzt Knoblauchkröten-Nachwuchs im Stiftungsland Schafflunder Mühlenstrom aus.


Rund 1100 kleine Knoblauchkröten sind seit Freitag, 22.  Juli, im Stiftungsland Schafflunder Mühlenstrom heimisch. Die  etwa 3 bis 4 cm großen Jungtiere sollen hier eine neue Population, der europaweit streng geschützten Art gründen. Ihre Eltern wohnen, für uns nicht weit entfernt im Jardelunder Moor, aus Krötenperspektive ist die Strecke allerdings ohne Transporthilfe kaum zu bewältigen.

Die Froschexperten der dänischen Firma Amphi Consult haben daher in diesem Frühjahr einen Teil des Laichs der Kröten in Jardelund gesammelt und in zwei Aufzuchtstationen in Kiel und Æro aufgezogen. Die kleinen Kaulquappen wurden dort mit frischem Wasser und Futter versorgt, bis die Entwicklung zu kleinen Jungkröten abgeschlossen war, und sie ihren Wasserlebensraum verlassen haben.
Nun, umgetopft in feuchte Blumenerde, wurden sie von Schafflunds Bürgermeisterin  Constanze Best-Jensen, dem  Kreisnaturschutzbeauftragte und Gebietsbetreuer Edmund Link, dem Vorsteher der Jagdgenossenschaft Hans-Wilhelm Hansen als Neubürger begrüßt.

Gebracht wurden die anspruchsvollen Kröten aus Dänemark, von Wolfgang Lenschow, Amphi Consult, aus Kiel begleitete sie Stiftungsmitarbeiter Hauke Drews für das Projekt FroschFreunde – Amphibienhilfe der Stiftung Naturschutz. Die Krötenkinder legen Wert auf eine gepflegte Reiseatmosphäre: Da die Froschlurche nachtaktiv sind, und sich tagsüber im Sand eingraben, kommen sie gut geschützt in einem Reisesubstrat aus Blumenerde. Weil man sie zufällig bei der Gartenarbeit im Boden finden kann, werden sie in Dänemark auch Kartoffeltroll genannt. Der deutsche Name Knoblauchkröte kommt vom leichten Knoblauchgeruch, den das Sekret verströmt, das die Tiere bei Gefahr absondern.

Damit die kleinen Kröten hier erfolgreich heranwachsen können, hat die Stiftung Naturschutz schon vor zwei Jahren mit Ausgleichsmitteln des Kreises Schleswig-Flensburg auf ihren Flächen im Stiftungsland bei Schafflund Teiche und Lebensräume für Amphibien hergerichtet.

15 Amphibienarten gibt es in Schleswig-Holstein, fast alle stehen auf der Roten Liste, der vom Aussterben bedrohten Tiere, weil sie in der intensiv genutzt Landschaft keine Lebensräume mehr finden, Dünger und Gülle ihre empfindliche Haut verätzen oder sie unter die Räder kommen.

Die Anzahl der Knoblauchkröten geht in Deutschland und Dänemark stark zurück. Auf den extensiven Wilden Weiden der Stiftung auf Sandböden der Stiftung Naturschutz, wie in Jardelund, konnten sich aber wieder stabile Populationen entwickeln. In vier Jahren sollen die kleinen Kröten dann auch im zum europaweiten Schutzgebietssystem „NATURA 2000“ in Schafflund die ersten Eier ablegen und für Nachwuchs sorgen. Froschkonzerte, wie zur Paarungszeit üblich, wird es hier allerdings nicht geben, denn die Knoblauchkrötenmännchen gehen bei der Balz auf Tauchstation und sind nur mit dem Unterwassermikrofon zu hören.

Das Projekt FroschFreunde wird gefördert von der EU-Kommission aus Mittel des Programms LIFE+ Nature and Biodiversity. In acht Natura 2000 Gebieten in Schleswig-Holstein sollen bis 2020 gefährdete Amphibien- und Wasserinsektenarten sowie die Zauneidechse unterstützt oder wiederangesiedelt werden.

Die Kosten für die Amphibienaufzucht belaufen sich auf 10.000 Euro, die Lebensraumoptimierung auf rund 32.000 Euro, 60 Prozent trägt die EU.
Diese Pressemitteilung bringt die Meinung der Stiftung Naturschutz zum Ausdruck und nicht notwendigerweise die Meinung des Fördergebers der EU-Kommission.