Immer mehr Blüten für Schleswig-Holstein

Es wird immer bunter und wilder im Land – das Projekt „BlütenMeer 2020“ zieht eine absolut positive Jahresbilanz 2016


Schließen wir einen Moment die Augen und gehen ein paar Jahrzehnte zurück in Richtung Norden. Genauer gesagt nach Schweden in das kleine, fiktive Örtchen Bullerbü. Lassen wir sie vor unserem inneren Auge aufblühen oder noch besser: folgen wir Ole, Bosse, Lasse, Kerstin und Co. barfuß durch die unberührte Natur, durch die wildbunten Blumenwiesen von einst.

Sie gehörten auch in Schleswig-Holstein früher einmal zum Landschaftsbild wie das Meer und der unendliche Horizont: bunte Blumen und wilde Wiesen mit heimischen Pflanzen wie beispielsweise Klappertopf, Heide-Nelke, Tausendgüldenkraut, Teufelsabbiss und Arnika. Die immer intensivere Landnutzung hat ihnen das Leben bei uns schwer bis unmöglich gemacht – viele der bunten Wilden mit schleswig-holsteinischen Wurzeln sind deshalb vom Aussterben bedroht. Bis jetzt! Seit gut drei Jahren kümmert sich das Projekt „BlütenMeer 2020“ der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein um die Raritäten unter den heimischen Wildpflanzen.

Mit Erfolg! Im vergangenen Jahr hat das Projektteam um Projektleiter Dr. Christian Dolnik über 60.000 seltene Wildpflanzen in ganz Schleswig-Holstein in die Erde gebracht und zusammen mit Einsaaten und Mahdgutübertragungen gut 60 Hektar Grünland aufgewertet. „Damit haben wir unser Projektziel für das vergangenen Jahr erreicht“, bilanziert Dolnik erleichtert. Für das im Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ geförderte Projekt „BlütenMeer 2020“ habe man sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, rund 2500 Hektar aufzuwerten. Das entspricht in etwa der Größe der nordfriesischen Insel Amrum. Dabei werden in etwa nur zehn Prozent der 2500 Hektar tatsächlich bepflanzt, ausbreiten müssen sich die Wildpflanzen dann von ganz alleine. Ein bisschen müsse er die Euphorie über das Geschaffte auch immer mal wieder einbremsen, fügt Dolnik hinzu, da nicht immer gewährleistet sei, dass alle Wildpflanzen sich auch in der Wildnis behaupten können.

„Wenn 70 Prozent der ausgebrachten Wildpflanzen den Winter überleben, im nächsten Jahr zur Blüte kommen und aussamen, kann man davon sprechen, dass die Maßnahme erfolgreich war“, erklärt Dolnik weiter und betont, dass das Projekt „BlütenMeer 2020“ viel ausprobiere und auch mal Rückschläge einstecken müsse. Die Wildpflanzen stehen beispielsweise ganz oben auf dem Speiseplan von Schnecken, Insekten und Rehen.

Eine weitere Erfolgs-Zahl liefert die projekteigene Arche Gärtnerei im Archepark in Eggebek, Kreis Schleswig-Flensburg. „Unser vierköpfiges Gärtner-Team hat allein in diesem Jahr 35.000 Wildpflanzen aufgezogen“, verkündet die Leiterin der Arche-Gärtnerei Wiebke Busch stolz.

Etwa 265 verschiedene Wildpflanzen-Arten sind in Schleswig-Holstein auf Wiesen und Weiden zuhause, davon sind jedoch die meisten selten geworden. Über 100 verschiedene Arten wurden bisher im Projekt „BlütenMeer 2020“ in Schleswig-Holstein gefördert.

„Jetzt drücken wir für die nächsten vier Jahre die Daumen, dass sich die seltenen heimischen Wildpflanzen schnell wieder wohl fühlen und sich in ihrer ursprünglichen Heimat erneut ausbreiten“, sagt Dolnik abschließend.