Artenschutzbericht 2016

Umweltminister Habeck: Erfolge beim Artenschutz gelingen durch Kombination aus Vorgaben, Förderung und hohem Engagement“.


Der Druck auf die Artenvielfalt ist enorm, dennoch lassen sich mit Naturschutzpolitik Erfolge erzielen. Das macht der „Jahresbericht 2016 zur biologischen Vielfalt – Jagd- und Artenschutz“ (früher: „Jagd- und Artenschutzbericht“) deutlich, den Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck jetzt vorgestellt hat. „Landnutzung wird immer intensiver und Naturschutz dadurch immer schwieriger. Er arbeitet gegen den Trend. Wir können aber Erfolge erzielen. Das gelingt durch Vorgaben, Förderung und vor allem hohes Engagement. Ohne das Ehrenamt in Naturschutz- und Jagdverbänden würde Artenschutz nicht funktionieren“, sagte Habeck.

Fischotterpopulation wächst - Auenprogramm soll Lebensraum verbessern
Ein Beispiel für den Erfolg von Artenschutz ist die Verbreitung des Fischotters. So haben sich Nachweise von Fischottern im Vergleich zu 2009 mehr als vervierfacht: Wurden 2009 noch 43 Fischotter gezählt, waren es 2016 schon 195. Die Tiere waren vor einigen Jahren aus Dänemark und Mecklenburg-Vorpommern wieder eingewandert, viele wurden aber im Straßenverkehr überfahren. Um Fischotter besser zu schützen, wurden unter anderem Uferstreifen und Trockentunnel angelegt. Zudem bewähren sich Vereinbarungen mit der Fischerei zum Einbau sogenannter Otterkreuze in Reusen in landeseigenen Gewässern.

„Die Auen als Lebensräume für Otter und viele andere Tiere und Pflanzen sind aber eine Seltenheit geworden, weil Flüsse und Bäche über Jahrzehnte begradigt wurden. Deshalb starten wir eine Auenprogramm, mit dem wir in den kommenden Jahren naturnahe Auen stärker entwickeln werden“, sagte Habeck.

Ziel des Programms ist es, bis 2027 an mindestens 5 Prozent der Streckenlänge von Vorranggewässern oder Natura 2000-Fließgewässern Auen zu renaturieren oder die Planungen hierzu soweit voranzutreiben, dass sie umgesetzt werden können. Dafür sollen in den nächsten Jahren auf freiwilliger Basis und mit örtlicher Trägerschaft Projekte zur Auenrenaturierung in Schleswig-Holstein identifiziert und durchgeführt werden. Um diese Projekte voranzutreiben, ist vorgesehen in der neuen Integrierten Station in Eutin einen inhaltlichen und personellen Schwerpunkt auf die landesweite Auenentwicklung in Schleswig-Holstein zu setzen.

Gefährdung von Arten auf wertvollem Dauergrünland
Der Jahresbericht zur biologischen Vielfalt belegt aber auch eindrücklich, wie stark der Verlust an Biodiversität ist. Das zeigt sich vor allem am besonders wertvollen arten- und strukturreichen Dauergrünland. „Diese Art des Grünlandes ist über Jahre immer weniger geworden. Verschwindet es aber, verschwinden gleich unzählige, bereits gefährdete Arten mit ihm. Die Natur und damit unsere Heimat werden ärmer“, sagte Habeck.

Bei der seit 2014 durchgeführten Biotopkartierung wurden außerhalb von Naturschutz-, FFH-Gebieten und Eigentumsflächen der Stiftung Naturschutzes nur noch rund 7.000 Hektar dieses Dauergrünlandes ermittelt. Genaue Angaben zu Flächenanteilen aus früheren Jahren liegen nicht vor, da die Grünlandtypen in ihrer speziellen Ausprägungen bisher noch nicht vollständig erfasst wurden. Stichprobenartige Untersuchungen, zeigen aber drastische Rückgänge: Allein von 2010 bis 2013 ging das artenreiche Grünland um fast 67 Prozent zurück. Besonders eindrücklich ist das beim artenreichen Feuchtgrünland: Von 1982 bis 2014 zeigte sich ein Flächenverlust um 87 Prozent auf 828 Hektar.

Wie wertvoll dabei diese Art von Grünland ist, ist an der Zahl der Pflanzenarten zu erkennen: Mit 739 Gefäßpflanzen – hierzu gehören zahlreiche Blütenpflanzen wie Wiesenschaumkraut, Sumpfdotterblume und Blutroter Storchschnabel – wurden bei der Kartierung etwa die Hälfte des schleswig-holsteinischen Gesamtartenbestandes (1.520) erfasst. Über ein Drittel dieser Arten (36 Prozent) stehen auf der Roten Liste der Gefäßpflanzen Schleswig-Holsteins aus dem Jahr 2006 und gelten damit als gefährdet.

„Gerade weil dieses arten- und strukturreiche Grünland für die Biodiversität so eine große Rolle spielt, haben wir es mit der Novelle des Landesnaturschutzgesetzes unter besonderen Schutz gestellt“, sagte Umweltminister Habeck. Entsprechend darf es nicht zerstört oder erheblich beeinträchtig werden. Um diesen Grünlandtyp dauerhaft bewahren zu können, bedarf es aber einer gewissen Nutzung, insbesondere soll es beweidet werden.

Schalenwild: Jagddruck muss weiterhin hoch sein

Der Jahresbericht 2016 zur biologischen Vielfalt – Jagd- und Artenschutz belegt erneut, dass die Schalenwildbestände weiterhin auf einem hohen Niveau sind. Es hat sich zudem neue Lebensräume erobert; insbesondere im nördlichen Landesteil ist dies nicht unproblematisch angesichts der Waldarmut der Region und des hohen Anteils junger, durch Wild gefährdeter Waldbestände und Wiederaufforstungsflächen nach den Stürmen.

Beim Schwarzwild wurden im Jagdjahr 2015/2016 mehr als 12.000 Stück erlegt, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Allerdings unterliegen Schwarzwildvorkommen einer starken natürlichen Dynamik. „Die Regulierung der Schalenwildbestände und insbesondere eine Reduzierung überhöhter Bestände bleiben eine Daueraufgabe für die Jägerschaft. Der Jagddruck bei Rotwild insbesondere im Nordwesten des Landes muss erhöht werden“, sagte Habeck.

Förderung
Ohne das Ehrenamt ist eine ambitionierte Naturschutzpolitik in Schleswig-Holstein nicht möglich. Daher fördert das MELUR in 2016 mit etwa 1 Million Euro verschiedene Artenschutzprojekte, die z.B. Naturschutz-, Jagdverband oder Stiftungen umsetzen. 8,8 Millionen Euro fließen in investive Naturschutzmaßnahmen wie die Anlage von Biotopen, die Renaturierung von Fließgewässern oder die Betreuung von Schutzgebiete. „Dabei werden die Träger der verschiedenen Projekte meist anteilig gefördert, sie bringen sogar für diese gesellschaftliche Aufgaben noch Geld mit, dieses kann nicht hoch genug bewertet werden“, so Umweltminister Habeck.

Ein weiterer wichtiger Naturschutzpartner sind die Landwirte, die über Vertragsnaturschutzprogramme einen maßgeblichen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität im Land leisten. Etwa 30.000 Hektar, so viel wie nie, sind direkt unter Vertrag und mit fast 9,4 Millionen Euro werden die Landwirte für ihren Beitrag für einen verbesserten Naturschutz entlohnt.

Der Jahresbericht 2016 zur biologisch Vielfalt – Jagd und Artenschutz kann telefonisch oder per E-Mail kostenlos angefordert werden unter 0431/988-7146 oder Broschuere@melur.landsh.de.