Winterwanderung ins Stiftungsland Stodthagen

Zahlreiche Besucher wollten es live erleben: Exmoorponies und Galloways fühlen sich im Winter pudelwohl

  • Galloways treffen Besucher

  • Aug in Aug auf der Winterweide

  • Grasen im Winter für Naturschutz

  • Fast mystische Stimmung auf der Speckwiese


Frostige Temperaturen, dicker Nebel und dann kam doch die Sonne. Sehr zur Freude der fast 70 Besucher der Winterwanderung im Stiftungsland Stodthagen, unweit von Kiel im reizvollen Dänischen Wohld gelegen. Quer über die Wilde Weide der kleinen Galloway- und Exmoorponyherde führten Miriam Kimmel, Flächenmanagerin der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, und Dirk Andresen, Rinderhalter und Pächter der Stiftung, die dick eingepackten Wanderer. Während sich die Besucher mit Mütze, Schal. Handschuhen und dicken Winterjacken versuchten, sich die rund eineinhalb Stunden warmzuhalten, schien die Witterung den robusten Weidetieren gar nichts auszumachen.

„ Wir empfinden acht Grad schon als ziemlich kalt, für Rinder ist das die optimale Wohlfühltemperatur“, berichtet Rinderhalter Andresen und sagt: „ Rinder haben ein kleines Heizkraftwerk im Bauch: den Pansen. Dort wird das für uns als Ernährung kaum nutzbare Gras von Mikroorganismen aufgespalten. Und dabei wird jede Menge Wärme freigesetzt.“ Selbst Minustemperaturen sind für Robustrindrassen wie Galloways und Highlandrinder kein Problem. Denn die Magenheizung ist nicht ihre einzige Waffe im Kampf gegen die Kälte. Die Tiere machen es wie die Robben und lagern in ihrer Unterhaut wärmeisolierendes Fett ein. Darüber kommt noch ein Winterfell im Lagenlook. Denn die Galloways setzten auf die auch bei uns bewährte Zwiebeltechnik. „ Über dem feinen, dichten Unterharr liegt das lange gewellte Deckhaar. Das isoliert so gut, dass im Winter oft sogar einen Schneeschicht auf dem Rücken der Tiere liegt“, sagt Andresen.

Das die Tiere hier auch im Winter leben ist für die naturschutzfachliche Pflege der Flächen geradezu ideal. „ Auch Rinder sind Feinschmecker und fressen, wenn das Futterangebot üppig ist, erst mal das, was am Besten schmeckt“, erklärt Kimmel. „Gerade für die vielen Amphibien, die die Teiche hier dringend zum Laichen brauchen, wünschen wir uns, dass die Uferbereiche nicht zuwachsen und Hochstauden zurückgedrängt werden. Alles was im Sommer nicht gefressen wird, daran machen sich die Tiere dann in Herbst und Winter, “ führt sie weiter aus. Die Voraussetzung für eine solche Ganzjahresweidehaltung ist aber, dass nur soviel Rinder auf der Fläche sind, dass sie auch im Winter genug zu fressen haben. Denn es soll in der Regel nicht zugefüttert werden, denn dann haben die Galloways schnell spitz, das regelmäßig „Süßigkeiten“ wie Heu kommen, vergessen ihren Job als Landschaftspfleger und warten nur noch auf die nächste Fütterung. „Aber natürlich steht auch hier das Tierwohl an oberster Stelle,“ schränkt Kimmel ein, „ wenn der Schnee zu hoch liegt oder gar gefroren ist und die Rinder und Pferde ihn nicht mehr wegscharren können, wird gefüttert.“

„Aber wie kommen die Tiere an Wasser?“, fragt eine Besucherin und deutet auf die vielen zugefrorenen Teiche auf der Fläche. „Wenn die Eisschicht nur dünn ist, dann treten die Rinder sie ein“, antwortet der Rinderhalter, „ansonsten müssen wir bei unseren täglichen Tierkontrollen mit Axt und Motorsäge Löcher ins Eis schneiden oder beheizte Tränken einsetzten.“

Die kleine Rinderherde war ebenso neugierig auf die Besucher wie umgekehrt. Die Wildpferde beobachteten die Führung lieber aus respektvollem Abstand. „Auch wenn die Rinder hier das ganze Jahr über draußen sind, wollen wir natürlich, dass sie weiterhin an Menschen gewöhnt sind“, erzählt der Weidelandschaften e.V. Chef, „denn wir betreiben ja hier kein Wildnisprojekt. Die Naturschutzrinder werden von uns als Biorindfleisch in Top-Qualität vermarket. Klimaschonender und umweltfreundlicher, also ohne Dünger und Pestizideinsatz, ohne Zufütterung mit Soja oder Mais lässt sich kein Fleisch produzieren, “ ist sich Andresen sicher.

Die Stiftung Naturschutz arbeitet mit über 1300 Landwirten zusammen, die auf ihren Flächen Rinder halten. Viele haben sich auf robuste Rassen spezialisiert. „Natürlich ist es uns wichtig, mit der Pflegebeweidung unsere Naturschutzziele zu erreichen, aber  der Tierschutz speilt eine ebenso große Rolle“, berichtet Kimmel. Die Stiftung hat deshalb in einem Arbeitskreis mit Veterinären einen Leitfaden für die Ganzjahresbeweidung in Schleswig-Holstein erarbeitet. Auf diese Standards weist sie ihre Pächter immer wieder hin, denn für das Tierwohl hat immer der Tierhalter zu sorgen.

„Naturschutz und umweltgerechte Rinderhaltung, dass sind unsere Wilden Weiden, “ resümiert Kimmel zum Schluss der Wanderung und lädt alle Interessierten zur nächsten Winterwanderung am 11. Februar ins Stiftungsland Glasmoor bei Norderstedt.

Einen filmischen Eindruck zum Winter auf der Wilden Weide gibt es hier.